Der Schandfleck des Jahres 2019

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Die Steyregger Asphaltwüsten von BILLA und Hofer sind mit der in der Werbung propagierten Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit der Supermarktketten nicht vereinbar.

Nachdem das Land Oberösterreich im Sommer 2018, nach einigem hin und her, schliesslich doch den Hofer Markt in Steyregg genehmigte, bin ich in Kontakt mit der Hofer Zentrale in Sattledt getreten, um in Erfahrung zu bringen, welche Maßnahmen die Hofer KG am Standort Steyregg plant, um der zunehmenden Bodenversiegelung, vor allem durch die Parkplätze von Supermärkten entgegenzuwirken.

Bodenversiegelung offenbar kein Thema

Die nach einigen Wochen Wartezeit von Hofer übermittelte Antwort war relativ ernüchternd, und zeigte klar auf, dass Bodenversiegelung in der Hofer KG offenbar kein ernstzunehmendes Thema war. Man berief sich auf gültige Normen und gesetzliche Vorgaben, putzte sich an der Gemeinde Steyregg ab, und unterstrich, dass man für seine Kunden alles tun werde, damit sie trockenen Fusses in das Geschäft gelangen können. Dass es bei Bodenversiegelung eigentlich darum geht, so wenig Fläche als möglich zuzubetonieren bzw. zuzuasphaltieren, dürfte man bei Hofer – zumindest damals – noch nicht wirklich verstanden haben (wollen).

Bei Billa erging es mir nicht viel anders. Trotz reger Unterstützung für meine Idee von der lokalen Belegschaft und Marktführung stiess das Thema „Vermeidung von Bodenversiegelung“ bei den Managern des Mutterkonzerns REWE AG, der für den Neubau des BILLA in Steyregg verantwortlich zeichnete, auf relativ taube Ohren.

Werbung und Wirklichkeit

Wärhend uns also mit „Ja natürlich“ Ferkeln aus dem Nationalpark Hohe Tauern in Videospots erklärt wird, was den „gesunden Boden“ und das „biologische Gleichgewicht“ ausmacht, wird in Steyregg eine Fläche von dreineinhalbtausend Quadratmetern als Parkplatz für den neuen Billa Markt gnadenlos zuasphaltiert und versiegelt.

Bei der REWE AG dürfte man die selbst produzierte Werbung nicht ganz zu ernst nehmen, wenn es um das eigene Unternehmen geht.

Bei Hofer ist es nicht viel besser. In der Werbung der Vorzeigemarke „Zurück zum Ursprung“ werden alle wichtigen Prinzipien und Vorteile eines gesunden Bodens erklärt:

Screenshot aus „https://www.zurueckzumursprung.at/nachhaltigkeit/“, der BIO Vorzeigemarke der Hofer KG

Wenn es aber darum geht, selbst beim Schutz dieses wertvollen Gutes mitzuwirken, versagt auch die Hofer KG, und versiegelt in Steyregg eine fast 5.000 Quadratmeter große Fläche beinhart als Parkplatz für den neuen Supermarkt der Kette. Offenbar passen die Werbebotschaften der beiden Marktführer und die eigene Unternehmensphilosophie nicht ganz zusammen.

8.500 Quadratmeter Asphaltwüste für 2 lokale Supermärkte

Damit wurde in Steyregg eine Fläche von fast achteinhalbtausend Quadratmetern, also nicht ganz einem Hektar, beinahe durchgehend als Parkplatz für zwei lokale Supermarktketten versiegelt. Wenn man bedenkt, dass ein Quadratmeter Humusboden mit rund 23cm Tiefe rund 4 Tonnen (!) CO2 aus der Atmosphäre zu binden imstande ist, hat unser Boden durch diese Versiegelung der beiden Parkflächen für Hofer und Billa in Steyregg alleine ein Bindungspotenzial von rund 22.000 Tonnen (!) CO2 verloren. Das entspricht der CO2 Emission eines durchschnittlichen Familienautos auf rund 170.000 km Laufleistung.

Dazu kommt durch die großen Asphaltflächen ein nicht zu unterschätzendes Potenzial für lokale Hitzeinseln im Sommer, also einer relativ unangenehmen Beeinflussung des lokalen Mikroklimas für Kunden und Anrainer der Supermärkte, wenn die Sonne im Sommer stundenland und ungehindert auf die riesigen Asphaltflächen brennt, und die Luft darüber aufheitzt.

Es geht auch anders

Aber gehen wir wieder weg von den Zahlen. Wir alle müssen schliesslich auch einkaufen. Die Frage ist deshalb: Hätte es Alternativen zu den beiden großdimensionierten Parkplätzen der beiden Supermärkte gegeben? Die Antwort ist ein klares „Ja“ – diese Alternativen werden seit vielen Jahren von der EU Kommission, dem Umweltbundesamt, der OÖ Umweltanschaft und vielen anderen Behörden, Initiativen und Vereinen propagiert.

Im Kern geht es dabei darum, nur die unbedingt notwendige Fläche mit Asphalt oder Beton zu versiegeln, und so viel Fläche als möglich mit Pflastersteinen, Rasengittersteinen, Schotterrasen oder im besten Fall überhaupt als gesunde Wiese zu belassen. Also im konkreten Fall nur die zentralen Kernparkplätze vor dem Markt, die sehr oft von Kunden benutzt werden, zu asphaltieren, jedoch weiter weg entfernte „Reserveparkplätze“, oder Parklätze für Mitarbeiter mit Rasengittersteinen oder Schotterrasen porenoffen zu belassen. Durch den offenen Bodenbelag können weiterhin Wasser und Luft in den Boden gelangen, womit zumindest ein Teil der im Boden lebenden Mikroorganismen, die CO2 binden und verarbeiten, am Leben erhalten werden können.

Möglichst viel schattenspendende Bepflanzung durch Bäume mit großen Kronen sorgt darüber hinaus für ein angenehmes Klima auch im Sommer, und hilft, lokalen Hitzeinseln vorzubeugen.

Vorzeigebeispiel Winkler-Markt Dornach

Ein relativ gutes Beispiel, wie man als Supermarktkette seinen Parkplatz auch wirklich nachhaltig gestalten kann, hat der Winkler-Markt in Linz Dornach umgesetzt. Hier wurden nur die Fahrbahnen selbst asphaltiert. Die Parkflächen wurden entweder mit Rasengittersteinen oder Pflastersteinen porenoffen belassen. Die Parkfläche ist – für die Größe des Marktes – nicht überdimensioniert, viel grüner Rasen, schattenspendende Bäume sowie sonstige Bepflanzung durch Büsche und Kakteen sorgen für ein angenehmes Mikroklima auch im Sommer, und beugen lokalen Hitzeinseln vor.

Das Ganze wäre natürlich auch in Steyregg möglich gewesen – ein entsprechendes Umweltbewusstsein der beiden Supermarktketten, das sich nicht nur in glänzenden Werbebotschaften erschöpft, vorausgesetzt. Und es ist noch immer möglich, die bestehenden Asphaltwüsten zu entsiegeln und in etwas umweltfreundlicheres umzugestalten, das sowohl den beiden Unternehmen, als auch unserem Heimatort Steyregg gerecht wird.

Weitere Informationen und interessante Links zum Thema Bodenversiegelung:

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