Der Stadtteilbus ist keine Utopie…

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Stadtteilbus Leonding (C) LinzWiki CC-BY-SA
Stadtteilbus Leonding (C) LinzWiki CC-BY-SA

…sondern in vielen Teilen der Welt bereits Realität. Voraussetzung für die Realisierung eines Steyregger Stadtteilbusses ist die Einbeziehung bestehender Strukturen und Mobilitätsangebote, die Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten sowie die genaue und bedarfsorientierte Planung von Fahrplan und Wegstrecken.

Ein Kommentar von Michael Radhuber

In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurde von der Steyregger Bürgerinitiative für Umwelt und Lebensqualität (SBU) unter dem Titel „Mobilitätspaket 2017“ ein Antrag auf Förderung zusätzlicher Taxifahrten für einkommensschwache Haushalte in Steyregg eingebracht. Mit dieser Förderung soll den Mängeln im Bereich des öffentlichen Verkehrs in Steyregg entgegengewirkt werden. Gleichzeitig wischte der Bürgermeister die Idee eines Stadtteilbusses in Steyregg als zu teuer und zu wenig bedarfsorientiert wieder vom Tisch.

Die Idee der Förderung von Taxifahrten für einkommensschwache Haushalte ist ein Schritt in die richtige Richtung. Was es in Steyregg jedoch wirklich braucht, ist ein Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr, welches auch alternative Verkehrsangebote berücksichtigt. In diesem Konzept sollten zumindest folgende Angebote berücksichtigt werden:

  1. Ein Stadtteilbus als Grundlage des öffentlichen Verkehrsangebotes in Steyregg.
  2. Ausserhalb der Betriebszeiten des Stadtteilbusses die Wiedereinführung des Sammeltaxis sowie – wo notwendig – alternativer (auch geförderter) Taxiangebote in und um Steyregg.
  3. Die Attraktivierung alternativer Verkehrsangebote in erster Linie durch Ausbau des Radwegenetzes sowie der Anstoßförderung der bei uns noch weitgehend unbekannten Familienräder (mit E-Motoren).
  4. Weiterer Ausbau und Bewerbung von car-sharing Angeboten in den Steyregger „Ortszentren“ Steyregg und Plesching (MühlFerdl).

Dass ein Stadtteilbus nicht sündhaft teuer sein muss, und auch attraktive Angebote bieten kann, beweisen zahlreiche Gemeinden in und außerhalb Österreichs. In Oberösterreich gibt es zum Beispiel die Rufbus Linie 326 Leopoldschlag – Summerau – Freistadt, die nur nach vorherigem Anruf, jedoch nach einem fixen Fahrplan bedient wird. Weltweit gibt es zahlreiche weitere Beispiele für sogenannten demand responsive transport (DRT): Uber in Los Angeles oder – nur ein weiteres Beispiel – AllôBus im Aostatal, funktionieren alle nach dem Ruf(bus)prinzip.

Wie könnten die Eckpunkte eines solche Systems in Steyregg aussehen, damit es sowohl leistbar als auch attraktiv wäre?

  1. Zuerst einmal müsste jedes Jahr wieder der Fahr- und Routenplan auf Basis einer genauen Bedarfsprüfung überarbeitet werden. Im Rahmen dieser Bedarfsprüfung sind sowohl die benötigten Fahrtzeiten als auch Wegstrecken zu erheben. Nicht alle Wege können zu allen Zeiten bedient werden, zur Aufnahme in den Fahrplan bedarf es einer kritischen Mindestmenge an Interessenten für eine Wegstrecke bzw. einen Zeitpunkt. Essentiell ist diesbezüglich auch die exakte Abstimmung mit den bestehenden Bus- und Bahnangeboten in und um Steyregg.
  2. Auch ein Steyregger Stadtteilbus kann langfristig nur als Rufbus funktionieren. Die bestehenden Haltestellen werden (fahrplangemäß) nur dann bedient, wenn zumindest 20 Minuten vorher der Bus angefordert wurde. Wie beim AST Taxi auch kann die Anforderung einfach über eine Handy-App vorgenommen werden, bzw. alternativ auch per Telefon über ein Call-Center, das diese Anrufe entgegennimmt und verarbeitet.
  3. In erster Linie müsste versucht werden, das bestehende Schulbussystem mit Bussen und Fahrern in das Konzept eines Stadtteilbusses zu integrieren. Nur für jene Wegstrecken, die mit den vorhandenen Schulbussen nicht bedient werden können, könnte man die Anschaffung eines eigenen Gemeindebusses und -fahrers überlegen.
Die AST Taxi-App der Linz AG
Die AST Taxi-App der Linz AG

Insgesamt könnte man bei Einhaltung dieser Grundsätze die Kosten für die Einführung eines Stadtteilbusses in Steyregg weitgehend unter Kontrolle halten. Worauf es dann jedoch ankommt, sind der politische Wille des Bürgermeisters und – im Wesentlichen aller – Gemeinderatsfraktionen, ein solches System gemeinsam auszuarbeiten und umzusetzen.

Wo ein Wille, da ein Weg.

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