Donnerstag, 14. Jänner 2021: Tag 2

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  • Telefon und Mobilnetzverbindungen sowie das Internet sind ausgefallen.
  • Zug und Straßenbahn stehen still, nur einige Busse verkehren nach wie vor, wenn auch mit Ausfällen.
  • Das ORF Radio strahlt nur mehr auf der Frequenz von Ö3 aus, Privatradios und Fernsehsender sind allesamt ausgefallen, und können auch von fast niemand mehr empfangen werden.
  • Die Steyregger Wasserversorgung bricht zusammen.
  • Die Versorgungslage der Bevölkerung spitzt sich zu.
  • Das Bundesland Oberösterrech wird – gemeinsam mit anderen Bundesländern – zum Katastrophengebiet erklärt.
  • An der Reparatur der Stromnetze wird fieberhaft gearbeitet, jedoch sind die Schäden immens. Es wird bereits versucht, vor einigen Jahren stillgelegte Gaskraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, allerdings benötigt der Kaltstart dieser Anlagen zumindest einige Tage. Das 380kV Ringnetz Österreichs ist an mehreren Stellen komplett zerstört, die Reparatur wird voraussichtlich einige Tage in Anspruch nehmen.

Die Nacht war eiskalt (-12°C) und für viele, besonders ältere Menschen ein Albtraum.  In Steyregg müssen an diesem Tag 3 ältere Personen mit Vorerkrankungen beerdigt werden, die die kalte Nacht nicht überlebt haben. Viele Kinder und Erwachsene leiden unter Husten und Fieber.

In der Nacht hat es in Linz einige Plünderungen und Diebstähle gegeben. Die Personalsituation der Polizei ist sehr angespannt, die Polizei bündelt ihre Kräfte nun an zentralen Hotspots. Die Menschen organisieren sich selbst, die Steyregger Jäger beginnen aufgrund der immer beunruhigenden Berichte aus Linz, und in Absprache mit der Polizei, für die kommende Nacht bewaffnete Patrouillen im Steyregger Gemeindegebiet zu organisieren.

In Steyregg ist die Wasserversorgung in der Nacht zusammengebrochen, die Wasserreserven des Hochbehälters sind, nicht zuletzt nach den zahlreichen und langen Feuerwehreinsätzen vergangene Nacht, erschöpft. Es gibt weder ausreichende noch geeignete Notstromaggregate, um das Wasser von den Brunnen bis zum Hochbehälter zu pumpen. Auch in Plesching sowie im ganzen Stadtteil Linz Urfahr ist am morgen die Wasserversorgung der Linz AG zusammengebrochen. Wasser wird an die Steyregger Bewohner nun zu festgelegten Zeiten am Bauhof, in Kanistern und Flaschen ausgegeben.

Die Gemeindebediensteten bemühen sich fieberhaft, Lösch- bzw Chlorkalk aufzutreiben, um im Gemeindegebiet geeignete Latrinen, in den Gärten sowie auf öffentlichen Grundstücken einzurichten. Viele WCs sind mangels Spülung nicht mehr benutzbar, und werden immer mehr zu einem hygienischen Problem.

An 2 Bauernhöfen in der Umgebung mussten erste Notschlachtungen vorgenommen werden. Es gelang nicht, die Melkroboter mit den wenigen verfügbaren Notstromaggregaten wieder in Betrieb zu nehmen, überdies war die Feuerwehr die ganze Nacht im Dauereinsatz. Die Euterentzündungen aufgrund des Milchstaus bereiteten den brüllenden Kühen enorme Schmerzen, bis sie schließlich notgeschlachtet wurden.

Mit einem Notstromaggregat ist es erneut gelungen, eine Steyregger Tankstelle wieder im Notbetrieb zu aktivieren. Treibstoff wird dort in der folgenden Priorität abgegeben:
Priorität 1: Einsatzkräfte, Hilfsorganisationen; Priorität 2: Öffentlicher Verkehr (Busse, Taxis); Priorität 3: sonstige Fahrzeuge (Traktoren Baumaschinen); Autos für den Individualverkehr werden nur dann betankt, wenn am gleichen Tag Nachschub aus Linz eintrifft.

Die Steyregger Arztpraxen bleiben geschlossen, da ohne Stromversorgung keine Untersuchungen mehr vorgenommen werden können. Bei der Stadtapotheke Steyregg herrscht enormer Andrang, seit 7:00 stehen die Menschen dort Schlange. Medikamente werden jedoch nur gegen Rezept ausgegeben. Die Arztpraxen in Steyregg, wo die Rezepte ausgestellt werden könnten, haben jedoch bereits geschlossen.

Die Linzer Spitäler sind am Limit. Immer mehr Patienten treffen mit Unterkühlungen und Erfrierungen ein. Der Treibstoff für die Notstromaggregate wird bereits knapp, die Nachlieferung klappt nicht so, wie sie sollte. Es gibt erste Engpässe bei Medikamenten. Zahlreiche Patienten müssen in die häusliche Pflege entlassen werden. Ärzte und Pflegepersonal sind erschöpft, ebenso das Reinigungs- und Küchenpersonal. Es werden nur noch Akutpatienten aufgenommen.

In Steyregg wird von der Gemeinde ein Info-Point festgelegt, an dem zu festgelegten Zeiten aktuelle Informationen an die Gemeindebürger weitergegeben werden sollen. Einige Arbeitgeber haben ihre Angestellten bereits nach hause entlassen, da ihre Unternehmen bis auf weiteres geschlossen bleiben.

Die Altenheime in der Umgebung Steyreggs schliessen ihre Türen, alle Personen müssen in häusliche Pflege entlassen werden. Die Wohnanlage für betreutes Wohnen in Steyregg ist mit Unterstützung der Gemeinde noch in Betrieb, es wird versucht, einen eigenen Kochdienst für die Bewohner sowie andere Steyregger Familien zu organisieren, allerdings mangelt es an allem, insbesondere an Lebensmitteln.

Um 14:00 wird die Feuerwehr zum nächsten Hausbrand in Pulgarn alarmiert. Mittlerweile ist auch das BOS Funknetz der Einsatzorganisationen weitgehend ausgefallen, die wenigen Geräte, deren Batterien noch geladen sind, funktionieren nur noch im Direktmodus (DMO). Es erscheint nur mehr rund die Hälfte der Kameraden zum Einsatz. Die Löscharbeiten gestalten sich aufgrund der anhaltenden Kälte und des Wassermangels äußerst schwierig. Das Haus wird ein Raub der Flammen.

Gerüchte von Plünderungen und Schießereien im Süden von Linz, insbesondere in Traun, machen die Runde. Immer mehr Menschen beginnen, die Stadt Linz zu verlassen, um auf dem Land bei Verwandten oder Freunden Unterschlupf zu finden. Für die Menschen sind solche unbestätigten Gerüchte sehr beängstigend. Auch einige Steyregger verlassen die Stadt Steyregg.

Die Polizei ist stark gefordert, und kämpft ihrerseits selbst mit den personellen Ressourcen. Der intensive Einsatz in den letzten Tagen und die schwierigen familiären Umstände fordern ihren Tribut. Die physische und psychische Belastung der Beamten ist enorm. Die Landespolizeidirektion kennt die prekäre Personalsituation, und erarbeitet bereits Richtlinien, wann Bürger im Notfall zu welchen Unterstützungsleistungen der Polizei herangezogen werden können. Wenn der Stromausfall noch länger anhält, kann die Polizei nur mehr einen Teil ihrer Aufgaben erfüllen. Im Schutz der Dämmerung brechen Unbekannte in die BILLA Filiale in Steyregg ein. Bevor die Polizei auf den Einbruch aufmerksam wird, können sie entkommen.