Gemeinde verzichtet vorerst für ein Jahr auf Pestizid Glyphosat

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Glyphosat
  • Glyphosat wurde 2015 von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Glyphosat steht im Verdacht, zu Missbildungen bei Neugeborenen zu führen.
  • Zahlreiche Studien zu dem Mittel werden von der Industrie (Monsanto) finanziert, und ermöglichen kein unabhängiges Bild der Lage.
  • Auch die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte und Vorschriften bei Anwendung des Mittels ist ein wesentliches Kriterium bei der Bewertung der Gefährlichkeit von Glyphosat.

In der letzten Sitzung des Umweltausschusses einigte man sich mit Vertretern der Gemeinde, im Gemeindedienst vorerst für ein Jahr auf die Anwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu verzichten. Der Empfehlung war eine längere Diskussion vorausgegangen, die Abstimmung erfolgte danach einstimmig.

Glyphosat ist das meistverkaufte Pestizid der Welt. Es wurde in Österreich sowohl im menschlichen Urin als auch im Grundwasser nachgewiesen. In Österreich stieg der Einsatz von Glyphosat gemäß Daten des Landwirtschaftsministeriums seit dem Jahr 2000 um das Dreifache. Seit einiger Zeit wird auch in Österreich vermehrt das sogenannte „Totspritzen“ von Getreide kurz vor der Ernte praktiziert, welches zu Glyphosat-Belastungen in Backwaren führt, und die wahrscheinlichste Ursache der aktuell festgestellte Glyphosat-Belastung im Menschen darstellt.

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend und verantwortlich für Fehlbildungen an Embryonen zu sein. Im Jahr 2015 wurde das Pestizid von der Weltgesundheitsorganisation WHO nach Evaluierung zahlreicher Studien als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft (IARC). Diese Einstufung hatte eine sehr kontroversielle Debatte zur Folge. Einige Forschungsinstitute widersprachen dieser Einschätzung. Nichtsdestotrotz hielt die WHO Ihre Einstufung auch in einem Update aus dem März 2016 aufrecht.

Ein Problem bei der Erforschung des Krebsrisikos von Glyphosat ist, daß zahlreiche Studien zu dem Unkrautvernichtungsmittel von den Herstellern selbst finanziert werden, die mit dem Verkauf von Glyphosat immense Profite erwirtschaften. Durch diesen offensichtlichen Interessenkonflikt bestehen große Zweifel an der wissenschaftlichen Unabhängigkeit dieser Studien. Auch die europäischen Zulassungsstellen für das Mittel stützen sich bei dessen Bewertung nicht auf eigene Studien, sondern primär auf jene Studien, die von den Herstellern des Mittels finanziert und beigestellt werden.

Ein weiteres Problem ist, daß alle Studien zur Bewertung von Glyphosat davon ausgehen, daß die gesetzlichen Vorschriften und Grenzwerte bei der Ausbringung des Mittels eingehalten werden. In Lateinamerika, besonders in Argentinien sind inzwischen zahlreiche Fälle von Missbildungen bei neugeborenen Kleinkindern bekannt geworden (siehe Link zur ARTE Doku unten), für die wahrscheinlich Glyphosat verantwortlich ist. In diesem Zusammenhang wird jedoch auch oft auf den übermäßigen Einsatz von Glyphosat in den betroffenen Gebieten, meist durch Sprühung mittels Flugzeug, verwiesen.

Die EU Kommission entscheid im Juni 2015, die Zulassung von Glyphosat für weitere 18 Monate zu verlängern, um weitere Untersuchungen zu den Wirkungen von Glyphosat einholen zu können. Ob das Mittel danach tatsächlich verboten werden soll, steht jedoch in den Sternen.

Einstweilen ist es wohl besser, nach dem sogenannten Vorsorgeprinzip zu handeln, und Glyphosat wo auch immer möglich zu meiden.

Empfehlung:
ARTE Doku zu Glyphosat: https://www.youtube.com/watch?v=3ivpJx3gkMY
Global2000 zu Glyphosat: https://www.global2000.at/sites/global/files/Glyphosate_im_menschlichen_Koerper_0.pdf

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