Heftige Kritik an Radverkehrsplanung auf Steyregger Brücke in Gutachten der TU Wien

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Ein von der Radlobby Steyregg in Auftrag gegebenes Gutachten der Technischen Universität Wien stellt der Radverkehrsplanung auf der neu sanierten Steyregger Brücke ein vernichtendes Zeugnis aus. Gemäß den aktuellen Plänen des Landes und der einseitig bereits sanierten Strecke könnte der Radverkehr auf der Steyregger Brücke in Zukunft nur mehr auf einer Seite der Brücke – oberwasserseitig – geführt werden. Unterwasserseitig ist ein reiner Gehweg geplant, der jedoch in seiner ursprünglichen Planung nicht einmal die Mindestbreiten für Gehwege erfüllte.

Grund für diese Aufteilung von Radfahrern und Fußgängern ist, dass auf beiden Seiten der Brücke nur äußerst schmale Wege geplant wurden, welche die nach den gültigen Richtlinien vorgesehenen Mindestbreiten nicht erfüllen. Diese Auftrennung von Radverkehr und Fußgängern hat nun zur Folge, daß sowohl Radfahrer, als auch Fußgänger große Umwege von bis zu 1,2km bei der Querung der Brücke auf sich nehmen müssen. Die Radlobby fordert deshalb bereits seit längerem einen Ausbau des unterwasserseitigen Weges auf zumindest 2,5 Meter Breite.

Gemeinden müssen 40 Prozent der Kosten für Ausbau selbst tragen

Das Land Oberösterreich und der zuständige Landesrat Günter Steinkellner (FPÖ) zeigen sich bislang in der Angelegenheit wenig einsichtig. Es werde davon ausgegangen, daß die Steyregger Brücke auch in Zukunft und trotz der neu errichteten Hauptradroute von Linz nach Steyregg nur von relativ wenigen Radfahrern frequentiert werde, und ein Ausbau daher nicht lohne. Darüber hinaus hätten die Gemeinden 40 Prozent der Mehrkosten für den Ausbau des unterwasserseitigen Radweges auf der Steyregger Brücke selbst zu tragen.

Oberösterreich einziges Bundesland mit Reduktion des Radanteils am Gesamtverkehr

Auch die Gesamtverkehrsplanung des Landes Oberösterreich wird in dem Gutachten kritisiert. Von allen österreichischen Bundesländern ist Oberösterreich das einzige, das seit 1995 eine Reduktion des Radverkehrsanteils am Gesamtverkehr um 5% hinnehmen musste. Alle anderen Bundesländer konnten ihren Radverkehrsanteil – also den Anteil an Wegen, der statt dem Auto oder anderen Verkehrsmitteln mit dem Fahrrad zurückgelegt wird – entweder stabil halten oder deutlich erhöhen.

Radverkehrsanteile Österreich aus MASTERPLAN RADFAHREN 2015–2025, Lebensministerium 2015
Radverkehrsanteile Österreich aus MASTERPLAN RADFAHREN 2015–2025, Lebensministerium, 2015

Zahlreiche Teilnehmer beim ersten „Protestradeln“ auf der Steyregger Brücke

Vergangenen Samstag fand deshalb das von der Steyregger Radlobby organisierte erste BrückenRADeln 2017 statt. Durch diese Protestmaßnahme zahlreicher Radfahrer, im Zuge derer die Steyregger Brücke für einige Zeit gesperrt wurde, sollte auf die großen Unzulänglichkeiten der Radverkehrsplanung des Landes Oberösterreich hingewiesen werden.

Mangelnde Unterstützung auch von der Steyregger Gemeindepolitik beklagt

Kritik übt die Radlobby auch an der Passivität von Steyreggs Bürgermeister Würzburger in der Sache. Dieser habe eine öffentliche Unterstützung der Anliegen der Radlobby im Zuge der Pressekonferenz vermieden, um möglichen Konflikten mit dem zuständigen Landesrat Steinkellner aus dem Weg zu gehen.

Download: Gutachten der TU Wien