Investitionen in die Zukunft: Pfenningberg und Reichenbachtal dürfen nicht außen vor bleiben

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Reichenbachtal imd Sommer
Reichenbachtal imd Sommer

Kommentar*

Eine lange Gemeinderatssitzung brachte gestern zahlreiche Beschlüsse. Auf einen davon möchte ich kurz näher eingehen – den Beschluss zum Bau des Hochbehälters. Ich habe im Vorfeld und auch während der Sitzung sehr deutliche Kritik an der Vorgehensweise der Auftragsvergabe geübt, die für mich nicht gerade ein Paradebeispiel für eine sparsame, wirtschaftliche und zweckmäßige Verwaltung ist. Denn eines ist kein Geheimnis: Wer nur ein einziges Angebot einholt, braucht sich nachher nicht zu wundern, wenn er deutlich mehr zahlt als Andere bei vergleichbaren Projekten. Ein zweites Angebot hätte zumindest gute Argumente gebracht, um noch einmal einen größeren Rabatt auszuhandeln.

Ich habe am Ende trotzdem für die Auftragsvergabe an den (einzigen) Bieter gestimmt, da die Firma unzweifelhaft über ein hohes Maß an Kompetenz und Eignung für dieses Projekt verfügt – noch dazu handelt es sich um eine Steyregger Firma mit zahlreichen Steyregger Arbeitnehmern. Ich glaube die Botschaft ist sowohl am Amt als auch beim Auftragehmer klar angekommen. Und was den Rabatt anlangt, wer weiß – noch ist ja nicht aller Tage Abend.

Was mir bei allen Wasserbauvorhaben in Steyregg noch viel wichtiger ist, ist jedoch etwas anderes: Ein großer Teil des Steyregger Gemeindegebietes ist bis heute nicht an das öffentliche Wasserleitungs- und Kanalisationsnetz angeschlossen. In erster Linie handelt es sich dabei um große Gebiete auf und um den Pfenningberg, sowie das Reichenbachtal. Zahlreiche Siedlungen werden über private Brunnen und kleine Wasserversorgungsanlagen versorgt, und die Versorgungslage ist stellenweise eher prekär. Durch das fehlende Kanalnetz in diesen Gebieten sind viele Häuser, Wirtschaften und Siedlungen auf Senkgruben angewiesen – und viele davon sind in einem schlechten baulichen Zustand, einige vermutlich auch leck. Es ist Altbürgermeister Sepp Buchner zu verdanken, der für diese Gebiete das System des fahrenden Kanalwagens eingeführt hat, dank dem viele der ärgsten Mißstände beseitigt werden konnten. Dieses System kostet der Gemeinde jedoch viel Geld, und funktionert oft nicht wirklich gut. Viele Landwirtschaften sind bis heute nicht daran angeschlossen.

Langfristig macht es deshalb Sinn, diese jahrzehntelang akkumulierten Defizite im Bereich des Infrastrukturausbaus am Pfenningberg und im Reichenbachtal abzubauen. Dafür benötigen wir einen gut durchdachten Investitionsplan in Wasserver- und Abwasserentsorgungsleitungen und -anlagen. Und natürlich wäre es gerade aufgrund der derzeit für manche Gebiete verfügbaren hohen Förderungen von bis zu 70% der Gesamt-Investitionskosten sinnvoll, auch gleich ultraschnelle Internetleitungen gemeinsam mit den Wasser und Kanalleitungen zu verlegen.

Das Reichenbachtal im Herbst
Das Reichenbachtal im Herbst

Denn eines ist sicher: Mit dem Klimawandel werden auch die Dürreperioden mehr und länger. Und viele der Brunnen am Pfenningberg und im Reichenbachtal, die jetzt schon am Limit sind, werden dann vollends versiegen. Deshalb müssen wir jetzt schon vorausschauend Maßnahmen für diese Gebiete planen, und langsam auch umzusetzen beginnen. Nur die Gemeinde hat die notwendigen Mittel und Kompetenzen, um hier entsprechend handeln zu können. Nur in einem großén Wasserversorgungsnetz mit mehreren Brunnen kann auch bei langen Dürreperioden und teilweisen Ausfällen von Brunnen eine ausreichende Wasserversorgung für alle Bürger Steyreggs sichergestellt werden – auch für den Ortskern von Steyregg. Je größer das Netz, desto kleiner das Risiko.

Der Pfenningberg und das Reichenbachtal sind zwei Naturjuwele im Naherholungsraum von Linz, die bereits heute von vielen Sportlern und Erholungssuchenden aufgesucht werden. In diesem touristischen Potenzial steckt eine große Chance für Steyregg und die Bewohner dieser Gebiete, das es zu nutzen und auszubauen gilt – auch, um damit den eigenen Lebensunterhalt verdienen zu können, was gerade für unsere Bauern immens wichtig ist. Das wird jedoch nur dann funktionieren können, wenn die Gemeinde auch die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Wir können den Pfenningberg und das Reichenbachtal bei Wasserbauvorhaben in Zukunft nicht mehr außen vor lassen, sondern müssen auch für diese Gebiete beginnen, Vorkehrungen zu treffen.

*Anmerkung: Als Mitherausgeber der Steyregger Zeitung verfasse ich hin und wieder auch Kommentare zu politischen Themen, was in einem gewissen Spannungsfeld zwischen politischer Tätigkeit und Unabhängigkeit dieser Zeitung steht. Um die Unabhängigkeit der Steyregger Zeitung zu wahren haben alle Steyregger (auch Politiker) die Möglichkeit, auf dieser Seite ebenfalls eigene Gastkommentare (und sonstige Artikel) zu publizieren. Wir würden uns freuen, wenn dieses Angebot auf Zustimmung trifft.

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