Keine Freude mit Betonmischwerk in Steyregg

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Rodungsarbeiten in der Steyregger Au. (C) Erich Tischlinger
Rodungsarbeiten in der Steyregger Au. (C) Erich Tischlinger

Die Errichtung eines Betonmischwerks mitten im 30 und 100 jährigen Hochwassergebiet schürt Sorgen einiger Bürger um den Austritt von chemischen Substanzen und Umweltbelastungen im Hochwasserfall. Große Bedenken gibt es auch im Hinblick auf das Thema Lärm und Verkehr. Erwartet werden mindestens 25.000 Zu- und Abfahrten von Mischfahrzeugen pro Jahr.

Das neue Betonmischwerk der Baufirmen Porr, Swietelsky und Habau soll gemäß dem noch aus dem Jahr 2006 stammenden Bewilligungsbescheid des Landes OÖ auf dem Areal des Kieswerks II in der Pulgarner Au errichtet werden (Bild).

Kieswerk II der Welser Kieswerke. Foto: Google Earth
Kieswerk II der Welser Kieswerke. Foto: Google Earth

Auf einer Stahlbühne sollen hierfür oberhalb des 100 jährigen Hochwasserpegels ein Steuerungscontainer sowie ein Zusatzmittelcontainer angebracht werden. Der Zusatzmittelcontainer hat ein Fassungsvermögen von 8 Kubikmetern Flüssigkeit. Vier verschiedene Flüssigkeiten, die für die Betonherstellung als chemische Zusatzmittel dienen, sollen darin gelagert werden.

Die Mischanlage selbst besteht aus einem Mischturm sowie 3 Zementsilos. Darüber hinaus werden eine Nutzwassergewinnungsanlage sowie eine Wasserrecyclinganlage errichtet, um die anfallenden Auswaschwässer weiterzuverwenden.

Beispiel einer Betonmischanlage (C) Direcindustry.de
Beispiel einer Betonmischanlage (C) Direcindustry.de

25.000 Zu- und Abfahrten von Mischfahrzeugen (mindestens) pro Jahr

Gemäß den Angaben der Porr Sprecherin ist es das Ziel dieses Betonwerks, den künftigen Eigenbedarf an Beton im Linzer Raum selbst zu decken. Während die 3 Baufirmen bisher ihren Betonbedarf aus bis zu 5 Betonmischanlagen im Linzer Raum deckten (Perlmoser, Asamer, Rohrdorfer, Hasenöhrl und Bernegger) soll zukünftig die gesamte Belieferung der 3 großen Baufirmen vom Steyregger Betonmischwerk aus erfolgen. Kolportiert wird eine Menge von bis zu 100.000 Kubikmetern pro Jahr, das entspricht mindestens 25.000 Zu- und Abfahrten von Mischfahrzeugen pro Jahr (ein Mischer fasst im Schnitt bei voller Beladung 8 Kubikmeter). Das nährt bei vielen Anrainern der Donaubundesstrasse B3 sowie der Pleschinger Landesstrasse L569 Sorgen um eine signifikante Verkehrs-Zusatzbelastung durch die zu- und abfahrenden Mischfahrzeuge.

„Während die 3 Baufirmen bisher ihren Betonbedarf aus bis zu 5 Betonmischanlagen im Linzer Raum deckten (Perlmoser, Asamer, Rohrdorfer, Hasenöhrl und Bernegger) soll zukünftig die gesamte Belieferung der 3 großen Baufirmen vom Steyregger Betonmischwerk aus erfolgen“

In einem noch aus 2006 stammenden Gutachten wird auch darauf verwiesen, daß die Schallemissionen durch das Betonmischwerk, sowie den dadurch ausgelösten Zusatzverkehr nicht steigen würden. Zahlreiche Bürger und auch Mitglieder des Steyregger Gemeinderates äußern angesichts der nunmehr bekanntgewordenen Pläne Zweifel an diesen Ausführungen.

Zweifel an Wirtschaftlichkeit der Anlage

Die Betonbranche war in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten von heftigen Preiskämpfen gekennzeichnet, die zu vergleichweise niedrigen Betonpreisen geführt haben. In den letzten Jahren hat sich die Preissituation für Beton nunmehr wieder stabilisiert. Brancheninsider zweifeln dennoch an der Wirtschaftlichkeit eines weiteren Betonwerks im Linzer Raum.

Auch für Steyregg bedeutet diese Anlage keinen großen wirtschaftlichen Gewinn. Denn es werden nur 3 neue Arbeitsplätze geschaffen, womit die Kommunalsteuereinnahmen daraus praktisch vernachlässigbar sind.

Rodungsarbeiten in Steyregger Au

Unterdessen gehen die Rodungsarbeiten in der Steyregger Au weiter. Auf einem mehrere Hektar großen Areal wird soeben Platz für eine weitere Schottergrube geschaffen.

Rodungsarbeiten in der Steyregger Au. (C) Erich Tischlinger
Rodungsarbeiten in der Steyregger Au. (C) Erich Tischlinger

Der Steyregger Gemeinderat beschäftigte sich bereits im Jahr 2012 intensiv mit der Ausweitung der Schotterabbauflächen durch die Welser Kieswerke. Der Gemeinderat stimmte damals der Erweiterung dies Kiesabbaugebietes unter anderem unter der Auflage zu, dass eine sofortige Renaturierung von ausgekiesten Gebieten erforderlich und hiefür ein enger Zeitraum festzusetzen ist (möglichst schnelle Wiederaufforstung, spätestens innerhalb von 3 Jahren nach Einstellung des Abbaues im Teilgebiet).

Links: Artikel der OÖN vom 31.3.2018