Klimanotstand oder Geldgier?

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Nachdem die Feuerwehr Lachstatt vergangenes Jahr ihr neues Zuhause bezog, und die Gemeinde beschloss, die alte Feuerwehrgarage in Lachstatt zu verkaufen, legte die Wassergenossenschaft Lachstatt ein Kaufanbot für die alte Garage.

Das alte Feuerwehrdepot wurde seit mehr als 20 Jahren von der Wassergenossenschaft Lachstatt versorgt, war also über lange Zeit selbst Teil dieser öffentlich-rechtlichen Wassergenossenschaft. Die Wassergenossenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, für die Zukunft einen Platz zur Wasserspeicherung und –aufbereitung sicherzustellen. Deshalb wurde der Beschluss gefasst, ein Kaufanbot für diese Garage zu legen. Der Standort des Gebäudes ist ideal für die Zwecke der Wasserversorgung, es gibt genug Platz für Wasserspeicher und –aufbereitung, als auch für das Materiallager der WG.

Das Ziel der Wassergenossenschaft ist klar: Schaffung ausreichender Wasserspeicherkapazitäten, um auch in den Dürresommern der Zukunft, bei Grundwasserabfluss durch den Ostumfahrungstunnel, oder im Fall der Netzerweiterung zu anderen Nachbarn noch ausreichend Wasser für ihre Mitglieder bereitstellen zu können. In noch informellen Gesprächen einigte man sich mit dem Bürgermeister und dem Stadtrat der Gemeinde Steyregg auf einen Kaufpreis in Höhe von rund 70.000 Euro mit einer fixen Zweckbindung des Gebäudes für die Wasserversorgung am Pfenningberg. Nachdem das Gebäude durch die Wassergenossenschaft abbezahlt worden wäre, sowie das Dach erneuert, würde die Wassergenossenschaft in 10-15 Jahren mit dem Bau eines Speichers beginnen.

Zugesagt wurde auch, dass die Feuerwehr das Gebäude weiterhin mitnutzen könnte, sowohl für die Sirenensteuerung als auch – falls notwendig – als Materiallager. Das dringend sanierungsbedürftige Dach des alten Feuerwehrhauses würde von der Wassergenossenschaft in den kommenden Jahren erneuert und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, um in Zukunft das Wasser am Pfenningberg CO2-neutral zur Verfügung stellen zu können. Und natürlich hätte ein Wasserspeicher in dem Gebäude, gemeinsam mit den projektierten Anbindungsleitungen für Wasser, Kanal und Glasfaser von Lachstatt zur sogenannten „Hackl-Lehner-Siedlung“ auch den Sinn, im Brandfall über Hydranten ausreichend Löschwasserreserven zur Verfügung stellen zu können.

Angemessener Kaufpreis

Wie kam es zu diesem anvisierten Kaufpreis von 70.000 Euro? Der Wert der Immobilie wurde in einem Schätzgutachten der Gemeinde auf 105.000 Euro geschätzt. Man vergaß dabei aber die besondere Situation der Wasserversorgung zu berücksichtigen. Auf dem Grundstück des Feuerwehrdepots selbst gibt es kein Wasser. Gegenüber der Wassergenossenschaft Lachstatt besteht Anspruch auf Versorgung mit rund 350l Wasser pro Tag. Das entspricht dem Bedarf von eineinhalb Personen am Tag, kein Garten, kein Schwimmbad. Die Wassergenossenschaft Lachstatt ist mit ihren Kapazitäten am Limit, und kann nicht mehr Wasser zur Verfügung stellen, ohne zuvor ihre eigene Anlage auszubauen. Dafür benötigt sie aber wiederum das alte Feuerwehrdepot. Man sieht: Hier beißt sich die Katze in den eigenen Schweif.

Wenn nun einige Leute auf der Gemeinde Steyregg, gemeinsam mit ein paar Immobilienmaklern und Baufirmen davon träumen, das Haus möglichst teuer zu verkaufen, und in eine Wohnanlage mit mehreren Wohneinheiten umzubauen, um hierbei möglichst viel Gewinn einzustreifen, arbeiten sie nicht nur gegen die Interessen der Bevölkerung am Pfenningberg. Sie machen jegliche Klimanotstandsdebatte in Steyregg mehr als lächerlich. Und sie träumen von Luftschlössern, vorbei an jeglicher Realität. Denn ohne Wasser gibt es nicht einmal eine Baugenehmigung. Und Wasser ist am Pfenningberg ein kostbares Gut, und nicht leicht zu finden.

Und sie vergessen dabei auf die besondere Situation dieses Gebäudes, das auf Grund errichtet wurde, welcher der Gemeinde vor vielen Jahren umsonst zur Verfügung gestellt wurde, und das mit viel Eigenleistung der Bevölkerung (der Feuerwehr) jahrzehntelang errichtet und erhalten wurde. So ziemlich alles an diesem Gebäude beruht auf gut-nachbarschaftlichen Beziehungen.

Wer heute davon träumt, das Gebäude möglichst gewinnbringend an irgendwelche Immobilienmakler oder sonstige Interessenten zu verkaufen, müsste zuallererst einmal die ohne jegliche Rechtsgrundlage wild durch die Nachbargärten verlegten Wasserleitungen erneuern. Allein das würde rund 20.000 Euro kosten, da dafür auch die Straße aufgegraben und wieder saniert werden müsste. Plus: Ein neuer Standort inklusive neuer Leitungsverlegung für die Feuerwehrsirene: Auch hier wieder Kosten von mindestens 15.000 Euro. Und dann wäre aber noch immer ungeklärt, wo das Wasser für die Träume einiger herkommen sollte, hier ein neues Wohnhaus zu errichten (die gewerbliche Nutzung scheidet aufgrund der Widmung als Dorfgebiet aus, ist eine Umwidmung in dieser besonderen Situation ist auch rechtlich nicht möglich).

Doppelter Maßstab beim Geld?

In diesen Wochen und Monaten errichtet die Gemeinde Steyregg für das Steyregger Ortswassernetz, und praktisch ausschließlich auf Kosten der Steuerzahler einen neuen Wasser-Hochbehälter. Fassungsvermögen: 1.600 Kubikmeter. Gesamtkosten inkl. Planungsleistungen circa 2,4 Millionen Euro, das Projekt wies grobe Mängel bei der Vergabe der Planungsarbeiten auf. Die Gemeinde Engerwitzdorf hat in Zinngiessing einen Hochbehälter mit 2.000 Kubikmeter Fassungsvermögen errichtet, Gesamtkosten inkl. Planungskosten exakt 2 Millionen Euro. Auf den Kubikmeter hochgerechnet kostet das Projekt in Steyregg um 50% (!) mehr als in Engerwitzdorf. Steyregg: 1.500 Euro pro Kubikmeter Fassungsvermögen; Engerwitzdorf: 1.000 Euro pro Kubikmeter. Trotz dieser eklatanten Differenzen zuckt hier niemand mit der Wimper.

Aber wenn nun eine Wassergenossenschaft selbst plant, neue Speicherkapazitäten zu errichten, im Gegensatz zur Gemeinde Steyregg auf eigene Kosten ihrer Mitglieder (!), dann wird plötzlich jeder Euro umgedreht?

Ich hoffe inständig, dass in dieser Angelegenheit wieder Ernsthaftigkeit zurückkehrt, und sich die Gemeinde ihrer Verantwortung gegenüber den Bürgern besinnt.

(Anmerkung: Ich bin selbst Mitglied der Wassergenossenschaft Lachstatt und unterstütze meine Nachbarn bei ihren Bemühungen, für die Zukunft durch Schaffung geigneter Wasserspeicherkapazitäten vorzusorgen. Auch ich möchte in Zukunft noch ausreichend Wasser haben.)