Krisensicheres Steyregg

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Bevorratungstasche (www.zivilschutz-shop.at)

In Österreich haben wir das große Glück einer relativ sicheren Versorgung mit essentiellen Infrastrukturen wie Wasser, Strom, Gas usw. Aber genau diese zuverlässige Versorgung ist auch unser Problem: Wir verlassen uns viel zu sehr auf das Funktioneren der Strom- und Wasserversorgung, und sind deshalb auf Ausfälle nicht mehr vorbereitet.

Speziell beim Strom gilt: Ohne Strom geht in unserer Gesellschaft gar nichts mehr. Kein Licht, keine Heizung, kein Telefon (und auch kein Mobiltelefon), kein Behördenfunk, kein Wasser, kein Kanal (zB Kanalpumpwerke), kein Kühlschrank, keine Strassentunnelbeleuchtung und Ventilation, keine Ampeln, … die Liste lässt sich wohl noch endlos fortsetzen.

Während des kalten Krieges wurde die Bevölkerung regelmässig zum Anlegen von Schutzvorräten aufgefordert. Bunker wurden in jedem Einfamilienhaus errichtet, es gab ein eigenes ausfallsicheres Telefonnetz für Behörden und Militär, in jedem Haus Notkamine zur ersatzweisen Beheizung des Hauses mit Holz oder Kohle, für den Lebensmittelhandel existierten noch größere Lagervorräte, und ein wesentlich größerer Anteil der Versorgung funktionierte überhaupt noch auf regionaler Basis.

All das ist heute Geschichte. In unserer just-in-time Gesellschaft sind Lager verpönt, die regionale Versorgung mit Lebensmitteln vom Bauern führt ein Nischendasein, das staatliche Telefonnetz wurde im Jahr 2000 stillgelegt, Bunker und Notkamine sind seit längerem Geschichte, Heizungen funktionieren nur noch mit Strom, die Hälfte der Bevölkerung besitzt nur Lebensmittelvorräte für maximal 4 Tage.
Kurzum: Ohne Strom funktionert in unserer heutigen hochtechnologisierten Gesellschaft überhaupt nichts mehr – ohne Strom steht unsere Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit vor dem Nichts. Für die meisten Menschen wäre das wohl eine sehr traumatische Erfahrung, denn sie sind sich überhaupt nicht bewusst, wie sehr wir uns bereits von unseren technologischen Errungenschaften abhängig gemacht haben. Wir haben verlernt, was für Generation um Generation vor uns eine überlebenswichtige Selbstverständlichkeit war: Vorzusorgen. Stattdessen haben wir uns in die vollständige Abhängigkeit eines vermeintlich “effizienten” Systems gegeben, für das Redundanz unwirtschaftlich ist, das jedoch selbst immens komplex und gegenseitig abhängig von anderen Systemen ist. Kurzum: Wenn ein Dominostein fällt, fallen auch alle anderen. Es existieren viel zu wenige Sicherheiten.

Zu wenige Sicherheiten gibt es auch in unserem Stromnetz. Die Übertragungskapazitäten sind am Limit, immer wieder kommt es zu grenzwertigen Situationen, in denen sämtliche Reserven voll ausgeschöpft werden. Wenn dann noch weitere Komponenten ausfallen, steht das gesamt Netz still. Notabschaltungen sind die Folge. Im schlimmsten Fall ein Blackout in ganz Europa. Der Bau neuer Leitungen schreitet zu langsam voran. Die Bevölkerung wehrt sich nicht ganz zu Unrecht gegen neue Strommasten überall, die Netzbetreiber wehren sich gegen die Verlegung von Erdkabeln, da angeblich zu teuer. Alle wollen billigen Strom, niemand will für die notwendigen Netze zahlen. Durch die erneuerbaren Energieträger ist die Volatilität in der Stromerzeugung sprunghaft angestiegen. Zahlreiche alte Krafterke wurden stillgelegt, da unrentabel. Es sind nicht mehr ausreichend Kapazitäten im Stromnetz vorhanden, um diese Unterschiede auszugleichen. Kommt jetzt noch ein massiver E-Auto Boom, kippt das Netz vollends.

Was tun? Das wichtigste ist, dass jeder bei sich selbst beginnt: Lebensmittelvorräte für bis zu 2 Wochen, Notheizungen zB mit Gasflaschen, Gaskocher, Bargeldvorräte, Notradios und Notlichter. In zweiter Linie betrifft es unsere Gemeinde: Die Wasserversorgung sowie die Kanalpumpwerke müssen auch bei längeren Stromausfällen zumindest stundenweise funktioneren, Treibstoffreserven für die Einsatzkräfte und den Gemeindefuhrpark müssen sichergestellt werden. Und wir sollten auch dann noch kommunizieren können, wenn Telefon, Mobilnetz und Behördenfunk ausgefallen sind.

Dazu werden wir gemeinsam mit anderen Fraktionen in der kommenden Gemeinderatssitzung einen Antrag einbringen. Damit wir nicht erst dann aktiv werden, wenn es bereits zu spät ist.