Milliardengeschäft Ostumfahrung

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Baustelle Tunnel Götschka. Quelle: ASFINAG
Baustelle Tunnel Götschka. Quelle: ASFINAG

Wer zählt zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern des Mega-Autobahnprojekts durch Steyregg und Linz, und was bedeutet es für die Zukunft von Steyregg?

Bis 2025 werden die letzten Lücken der Autobahn-Transitstrecke von Schweden bis in die Türkei über Dresden, Prag und Linz geschlossen. Die zu erwartende Transitlawine droht, Linz im Verkehr ersticken zu lassen. Im Hintergrund laufen deshalb bereits die Vorbereitungsarbeiten für die Umweltverträglichkeitsprüfung zur Linzer Ostumfahrung, die nach den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im Jahr 2021 beginnen soll. ASFINAG und Land Oberösterreich streben einen Baubeginn der Ostumfahrung noch im Jahr 2027 an. Während sich die Politik dies- und jenseits der Donau in Lippenbekenntnissen gegen die Transitstrecke Linzer Ostumfahrung übt, werden hinter den Kulissen schon kräftig die Messer gewetzt, sowie die ersten großen Geschäfte angebahnt.

Als die Firma Treul im Jahr 2018 den Entschluss zur Errichtung eines der größten Linzer Betonmischwerke in der Kiesabbauanlage Pulgarn fasste, war die Entscheidung für die Trasse der Linzer Ostumfahrung bereits getroffen. Das neue Betonmischwerk, sowie nicht zuletzt die gesamte Kiesgewinnungsanlage in Pulgarn stehen damit an einem der strategisch günstigsten Standorte für den Bau des Autobahn-Jahrhunderteprojekts Linzer Ostumfahrung im Linzer Zentralraum. Alleine für den geplanten Ostumfahrungstunnel durch den Pfenningberg sowie die geplanten Autobahnbrücken über die Donauauen und entlang der Traun winken den Kies- sowie Betonmischwerken im Linzer Becken Umsätze in Höhe von hunderten Millionen von Euro.

Natürlich würde nicht nur die Firma Treul zu den potenziellen Gewinnern des Linzer Ostumfahrungsprojektes durch Steyregg zählen. Die Stimmung unter vielen Gewerbetreibenden Steyreggs ist gemischt, tendenziell von vielen sogar als leicht positiv gegenüber dem Autobahnprojekt wahrgenommen. Es lockt ein neuer Autobahnanschluss im Zentrum von Steyregg, unmittelbar anschließend an das Steyregger Gewerbegebiet. Das wiederum trägt zu einer besseren Erreichbarkeit der Steyregger Unternehmen bei, sowie zu einer deutlichen Aufwertung von Grundstücken und Immobilien, insbesondere im Steyregger Gewerbegebiet.

Gelb: Flächenreserven in Pulgarn. Entsteht hier das nächste Gewerbeeldorado Steyreggs? Karte: Grünzonen-Verordnung des Landes Oberösterreich (in Grün: vom Land geschützte Zonen). QUelle: DORIS, Land OÖ
Gelb: Flächenreserven in Pulgarn. Entsteht hier das nächste Gewerbeeldorado Steyreggs? Karte: Grünzonen-Verordnung des Landes Oberösterreich (in Grün: vom Land geschützte Zonen). QUelle: DORIS, Land OÖ

Das nächste Millionengeschäft nach dem Vorbild des Steyregger Gewerbegebietes wartet bereits in Pulgarn. Hier schlummern riesige Baulandreserven, die allesamt vom Grünland-Schutzbereich des Landes Oberösterreich ausgenommen sind. Auch hier winken den Grundeigentümern im Falle einer Umwidmung saftige Gewinne. Sobald die Hochwassergefahr mittels Aufschüttungen und Dammerrichtung gebannt ist, hat die Gemeinde Steyregg praktisch freie Hand zur Umwidmung der Flächen in einen neuen Gewerbepark. Mit direktem Anschluss an eine von Europas wichtigsten Transitstrecken, sowie der Schnellbahn mit Direktverbindung in das Linzer Stadtzentrum. Viele Unternehmen stehen bereits heute Schlange für ein Grundstück in Pulgarn, und das Styria-Wohnbauprojekt in Pulgarn, sowie der Umbau des Klosters Pulgarn in eine Wohnanlage sind angesichts dessen wohl nur Vorboten auf die zukünftige Entwicklung Pulgarns.

Wer verliert? Verlieren wird zumindest ein Teil der Bewohner von Steyregg Ort und Pulgarn, die unter mehr Lärm sowie schlechterer Luft durch Oberösterreichs neue „Inntalautobahn“ leiden werden. Verlieren werden auch die Bewohner des Pfenningberges, wo vielen der Verlust des Grundwassers durch den Pfenningbergtunnel droht.

Ob in der Steyregger Politik die Interessen von einzelnen Bürgern mittelfristig gegen die finanzstarken Interessen der Geschäftswelt standhalten können, darf aufgrund vergangener Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in anderen Gemeinden stark bezweifelt werden. Bereits heute wird – wenn auch noch hinter vorgehaltener Hand – von vielen politischen Vertretern Steyreggs die ablehnende Haltung der Gemeinde gegenüber dem Autobahnprojekt in Frage gestellt. Wie lange der Widerstand des offiziellen Steyregg gegen das Autobahnprojekt angesichts dieser Vorzeichen und Entwicklungen noch anhalten wird, steht damit in den Sternen. Ganz sicher wird das Projekt eine Rolle bei den kommenden Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen im Jahr 2021 spielen. Ob sich die einzelnen Kandidaten zu diesem Thema öffentlich outen, oder aber weiterhin auf Lippenbekenntnisse gegen das Projekt setzen werden, ist noch nicht absehbar.

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