Nachwort: Sind wir vorbereitet?

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Alles nur Science-Fiction?

Bereits im Jahr 2011 hat sich das Büro für Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages intensiv mit den Risiken längerdauernder Stromausfälle – sogenannter Blackouts – auseinandergesetzt. Im Jahr 2017 hat das österreichische Bundesheer, in Zusammenarbeit mit namhaften Experten aus dem Bereich des Katastrophenmanagements, und aufbauend auf den Forschungsarbeiten der deutschen Kollegen eine Fallstudie publiziert, in welcher die Risiken von Blackouts in Österreich erarbeitet wurden. Auf Grundlage dieser Arbeiten habe ich in der Artikelserie “Blackout” der Steyregger Zeitung nun aufzuzeigen versucht, was ein längerdauernder Stromausfall für unsere Gemeinde Steyregg und ihre Bewohner bedeuten würde. Die Annahmen über Entwicklungen und Ereignisse, die gesellschaftlichen Szenarien sind dabei jene des österreichischen Bundesheeres bzw. des deutschen Bundestages, jedoch auf die konkreten Gegebenheiten in Steyregg abstellend.

Das Ergebnis ist ernüchternd und beunruhigend zugleich. Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl das Bundesland Oberösterreich, als auch die Gemeinde Steyregg noch keine spezifischen Präventionsmaßnahmen zum Umgang mit Blackouts ergriffen haben. Hier sticht das Bundesland Tirol als Vorbild hervor, welches bereits im Jahr 2016 durch den Landtag wichtige Präventionsmaßnahmen beschlossen hat, und auch über ein Konzept zur Reaktivierung der Stromnetze im autarken Inselbetrieb verfügt.

Sind wir vorbereitet?

Aktuelle Befragungen zeigen auf, dass die Hälfte der Bevölkerung nur über Lebensmittelvorräte für 4-5 Tage verfügt. Eine Bevorratung für 7 bis 14 Tage gilt jedoch als absolutes Minimum, um Krisensituationen gut meistern zu können. Mit einigen wenigen Ausnahmen sind wir in Österreich auf längerdauernde Krisensituationen, wie jene eines Blackouts, also eines längerdauernden Stromausfalls, denkbar schlecht vorbereitet. Das ist ein wichtiger Bereich, in dem wir Handlungsbedarf haben. Anhand der folgenden Broschüre des Zivilschutzverbandes erkennt man als Bürger sehr gut, welche Vorbeugungsmaßnahmen jeder einzelne ergreifen kann, um für Krisen besser gewappnet zu sein:

Download Zivilschutz Broschüre für Haushalte

Der andere Bereich fällt in den Aufgabenbereich der Stadtgemeinde Steyregg. Behörden wie die Gemeinde Steyregg müssen in Krisensituationen nicht nur ihre “eigenen” Dienstleistungen erbringen; sie müssen zusätzlich auch andere wesentliche Aufgaben, wie zum Beispiel die Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln übernehmen, die in normalen Zeiten der “Markt” übernimmt. Sie sind also in Krisenzeiten gleich doppelt gefordert. Initiativen wie die Einkaufsgemeinschaft Steyregg (“Stadtkern”) leisten hier einen wichtigen und wesentlichen Beitrag zur Krisenvorsorge, sie unterstützen die Bauern vor Ort, stellen Vertriebswege sicher und bündeln know-how für den Ernstfall.

Die wichtigste Herausforderung für Gemeinden in Krisenzeiten ist die Sicherstellung einer funktionierenden Wasserversorgung der Bevölkerung. Gerade jetzt wird die größte Investition der vergangenen Jahrzehnte in das Steyregger Wassernetz getätigt – der neue Wasser-Hochbehälter Steyreggs. Hier ist es wichtig darauf zu achten, die Wasserversorgung so zu planen, dass sie auch bei längerdauernden Stromausfällen weiter funktioniert. Das bedeutet, der Hochbehälter sollte an einem möglichst hohen Punkt in der Gemeinde installiert werden, um von dort aus alle Siedlungen und Hydranten Steyreggs auch ohne elektrische Pumpen versorgen zu können. Zusätzlich müssen im Bereich des Brunnens sowie der Pumpwerke Notstromaggregate installiert werden, um den Hochbehälter in regelmäßigen Intervallen mit Wasser wiederbefüllen zu können.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Installation von Notstromaggregaten für das Kanalpumpwerk Steyreggs, neben dem Einbau von geeigneten Rückstauventilen, um bei längeren Stromausfällen den Austritt von Kanalwasser, insbesondere in den Kellern und Erdgeschossen der Wohnhäuser Steyreggs, verhindern zu können. Um die Notstromaggregate, die Einsatzfahrzeuge sowie den Gemeindefuhrpark mit Treibstoff versorgen zu können, muss auch eine Tankstelle mittels Notstromaggregat in Betrieb gehalten werden können. Die Gemeinde könnte hier eine Vereinbarung mit einer Tankstelle zur Treibstoffbevorratung abschliessen, und diese beim Ankauf eines Notstromaggregates finanziell unterstützen.

Auch die Beschaffung von frequenzoffenen Funkgeräten, die im sogenannten Direktmodus arbeiten können (DOM), ist im Fall von Krisen, und dem Zusammenbruch der Kommunikationsnetze, eine sehr effektive Hilfe, um Arbeiten und Hilfe im Gemeindegebiet effizient koordinieren zu können (ein solches Funkgerät kostet heute rund 40 Euro, der Kauf von 20 solcher Funkgeräte würde das Gemeindebudget gerade einmal mit 800 Euro belasten…). In allen diesen Punkten handelt es sich jeweils um relativ überschaubare finanzielle Investitionen in die Krisenvorsorge, die jedoch in Krisensituationen eine immens große Wirkung erzielen. Welche Maßnahmen Gemeinden sonst noch für die Krisenprävention ergreifen können, ist sehr gut in dem folgenden Ratgeber erklärt:

Download Ratgeber für Gemeinden

Der Zivilschutz-Probealarm kommenden Samstag ist eine gute Gelegenheit, die eigenen Vorbereitungsmaßnahmen für den Krisenfall zu überprüfen, und gegebenenfalls entsprechend anzupassen. Nutzen Sie die Chance! Denn im Moment gehen sowohl die Experten der Energieversorger, als auch des Zivilschutzes und Katastrophenmanagements davon aus, daß ein “Blackout” in den kommenden Jahren nicht nur eine Möglichkeit unter vielen, sondern sogar sehr realistisch ist. Darum: Hoffen wir das Beste, und bereiten wir uns auf das Schlimmste vor!

Anmerkungen: Wie es zu dieser Serie kam (Michael Radhuber)

Verweise:

Ausgewählte Zeitungs-Artikel zum Thema Blackout:

 

Studien:
Fallstudie des Bundesheeres aus 2017

 

Deutscher Bundestag – Büro für Technikfolgenabschätzung: Was bei einem Blackout geschieht (Buch, auch download)

Ratgeber Präventionsmaßnahmen – wie können sich Gemeinden vorbereiten:

 

Herbert Saurugg, der Experte “Nr. 1” für Blackouts in Österreich