Über zweihundert Jahre schlummerte das alte Schloss Steyregg seinen Dornröschenschlaf. Die Zeit ging an dem gut tausend Jahre alten Gemäuer nicht spurlos vorüber. Das Fundament verlor langsam seinen Halt, Mauern lösten sich aus ihrer Verankerung und auch das Dach war undicht geworden. Es bedurfte dringend einer Generalsanierung.

Jahrzehnte lang hat sich unsere Familie darüber den Kopf zerbrochen, welche neue Nutzung man dem Schloss zuführen könnte.

Es sollte eine Nutzung sein, die dem Schloss Steyregg als Wahrzeichen der kleinen Stadt Steyregg gerecht ist und es der Öffentlichkeit zugänglich macht. Es sollte wieder ein wertegebundenes Zentrum für Wissen, Kunst und Kultur werden.

Der heutige Teil des Schlosses ist nur ein kleiner Teil des Schlosses, wie es einstmals war. Durch Blitzschläge und Brände in ganz Steyregg fielen große Teile des Alten Schlosses im 18. Jahrhundert den Flammen zum Opfer, und wurden seither nicht wieder aufgebaut.

Schloss Steyregg vom Reith © Steyregger Zeitung 2017
Schloss Steyregg vom Reith © Steyregger Zeitung 2017

Das Schloss als Kultur- und Veranstaltungszentrum

Meine Familie begann bereits zur Jahrtausendwende mit dem Ausbau von Teilen des ehemaligen Schlossareals zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum. Aufgrund der noch offenen Folgenutzungskonzepte wurde dieser Ausbau einstweilen im Rohbau belassen. Damit verfügt das Schloss heute neben den neu renovierten Räumlichkeiten im Schloss selbst auch über einen stilvollen Theatersaal „im Berg“ des Schlosses, sowie einen großen Veranstaltungssaal, der sich noch im Rohbau befindet.

Das Schicksaal von Schloss sowie Stadt Steyregg sind eng miteinander verwoben. Schloss Steyregg ist mitten im Ortszentrum der Stadt Steyregg situiert, und gilt somit auch als „das“ Wahrzeichen Steyreggs. Sowohl das Schloss, als auch das Stadtzentrum stehen in einer engen Symbiose zueinander: Weder eine Belebung des Schlosses, noch des Stadtzentrums von Steyregg macht für sich alleine gesehen Sinn. Funktionieren wird ein städteplanerisches Konzept nur dann, wenn beide Teile – also sowohl Schloss, als auch das Stadtzentrum Steyreggs – in das Konzept miteinbezogen werden.

Große Herausforderungen

Einerseits gilt es aus diesem Zusammenspiel verschiedener Personen und Zuständigkeitsbereiche besondere Herausforderungen zu lösen, um einen erfolgversprechenden Weg in die Zukunft zeichnen zu können. Gerade die finanzielle Situation stellt eine der am schwierigsten lösbaren Aufgaben dar: Wer bezahlt für die Fertigstellung des Schlosses, wer für die Wiederbelebung und Neugestaltung des Stadtzentrums von Steyregg?

Im Schloss Steyregg © Steyregger Zeitung 2017
Im Schloss Steyregg © Steyregger Zeitung 2017

Die Antwort auf diese Frage hängt stark davon ab, wer Nutzen aus der Wiederbelebung und Attraktivierung des Stadtzentrums und des Schlosses zieht. Am Ende wird die Finanzierung beider Aufgaben wohl nur durch die Zusammenlegung aller Kräfte im Rahmen eines Public-Private-Partnership zu lösen sein. Das Ziel muss sein, dass sowohl Schloss, als auch Stadt Steyregg Nutzen aus einer solchen partnerschaftlichen Unternehmung ziehen. Ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg wird auch in der Einholung externer Fördermittel, insbesondere von Land Oberösterreich und der Europäischen Union liegen, ohne die solche Investitionen nur schwer vorstellbar sind.

Andere Beispiele weisen Weg zum Erfolg

Es gibt viele Beispiele dafür, wie ein erfolgreiches Konzept zur Wiederauferstehung eines ganzen Ortes beitragen kann. Schloss Hagenberg wurde in den achtziger Jahren von der öffentlichen Hand saniert, und beherbergt seitdem das Forschungsinstitut RISC des bekannten Mathematikers Bruno Buchberger. In der Folge entstand um das Schloss der Softwarepark Hagenberg, der zur Belebung des gesamten Ortes beitrug, und zahlreiche neue Arbeitsplätze schuf. Warum sollte Ähnliches nicht auch in Steyregg funktionieren, wo wir noch dazu von der besonderen Nähe zur Landeshauptstadt Linz profitieren?