Norbert Hofer versus Alexander Van der Bellen – wer sind sie wirklich?

0
2051
Norbert Hofer
Norbert Hofer, Quelle: orf.at

Leitartikel zur Wahl von Uwe Mutz

Aufgrund der nun anstehenden Stichwahl empfiehlt sich ein Vergleich zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen.

A. DIE PERSÖNLICHE GESCHICHTE UND DIE AUSBILDUNG
Norbert Hofer wurde 1971 in der Steiermark geboren und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Er ist ausgebildeter Flugzeugtechniker (Abschluss 1990 an der HTBLA Eisenstadt) und hatte diverse Dienstverhältnisse als Einrichtungsberater und technischer Zeichner sowie als Flugzeugtechniker. In den Jahren 1995-2000 absolvierte Hofer diverse verhaltenstechnische Seminare sowie eine Ausbildung zum Kommunikations- und Verhaltenstrainer.

Alexander Van der Bellen wurde 1944 in Wien geboren und wuchs im Kaunertal in Tirol als Sohn niederländischer Einwanderer auf. Er absolvierte die Matura in Gymnasium und studierte danach Volkswirtschaftslehre in Innsbruck. Van der Bellen habilitierte 1976 im Bereich der Finanzwissenschaften und lehrte bis 1999 an den Universitäten Innsbruck und Wien.

Alexander Van der Bellen
Alexander Van der Bellen, Quelle: orf.at

B. DER POLITISCHE WERDEGANG
Norbert Hofer stieg im Jahr 1994 als Wahlkampfleiter der FPÖ Burgenland in die Politik ein. In den Jahren 1996 bis 2000 war er Pressesprecher der FPÖ im Burgenland, zwischen 1997 und 2007 auch Landesparteisekretär der FPÖ Burgenland. Des Weiteren war Hofer zwischen 2000 und 2006 Klubdirektor des Freiheitlichen Landtagsklubs in Eisenstadt. Seit 2013 bekleidet er das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten und ist Vizeparteiobmann der FPÖ. Er gilt in Österreich als rechtspopulistischer Politiker mit einem Naheverhältnis zum Hans-Christian Strache und wird von der FPÖ im Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterstützt.

Alexander Van der Bellen schloss sich Mitte der 1970er-Jahre der SPÖ an, wurde jedoch trotzdem 1992 von den Grünen Österreichs (denen er sich im Weiteren anschloss) als Rechnungshofpräsident vorgeschlagen. In den Jahren 1994 bis 2012 war er durchgängig Abgeordneter der Grünen im Nationalrat. Zwischen 1998 und 2008 bekleidete er das Amt des Klubobmanns des Grünen Klubs im Parlament. Des Weiteren übernahm er 1997 die Agenden des damaligen Parteivorsitzenden Christoph Chorherr und behielt diese Position bis 2008. Alexander Van der Bellen gilt im Rahmen der Präsidentschaftswahl 2016 als formal unabhängig, wird jedoch von den Grünen Österreichs im Rahmen der Wahlkampagne „Gemeinsam für Van der Bellen – Unabhängige Initiative für die Bundespräsidentschaftswahl 2016“ unterstützt.

C. WAHLPROGRAMM
Norbert Hofer vertritt in seinem Wahlkampf – bedingt durch seine Parteizugehörigkeit – eine nationalistische und rechtspopulistische Ansicht. Er kehrt die Werte Kultur, Tradition und Sicherheit in den Vordergrund und spricht sich gegen die soziale Unterstützung von Wirtschaftsflüchtlingen aus. Auch vertritt er eine kritische Haltung gegenüber der EU. Auffällig hierbei ist, dass der Großteil seiner politischen Statements und Ansichten in der laufenden Präsidentschaftswahl nicht im Einflussbereich eines Bundespräsidenten liegen – vielmehr sind dies Agenden der österreichischen Regierung, die der Präsident so gut wie nicht bis gar nicht beeinflussen kann. Welche Akzente Norbert Hofer als Präsident Österreichs setzen möchte, lässt er zum Großteil offen.

Alexander Van der Bellen vertritt ebenso wie Norbert Hofer einen Heimatbezogenen Standpunkt, tritt jedoch stärker gegen eine Spaltung der Gesellschaft auf. Er ist klar für eine starke Positionierung Österreichs in Europa und der EU. Entgegen der Themen Hofers stellt Van der Bellen jedoch auch klar, welche Aufgaben er als Präsident Österreichs sehen würde: Österreich in der Welt würdig vertreten, über den Parteien stehen und zwischen diesen vermitteln.

Einig sind sich beide Kandidaten in punkto TTIP, wogegen sie sich geschlossen aussprechen. Ebenso einig sind sie sich in der Frage des Bundesheeres, das beide Kandidaten stärken wollen. In Bezug auf die Flüchtlingsfrage vertritt Van der Bellen die menschenwürdigere Position, wenngleich beide Kandidaten Null Toleranz gegenüber Gewalt ausgehend von Flüchtlingen zeigen. Insbesondere Van der Bellen betont diesen Aspekt in seinem Wahlprogramm sehr deutlich.

Insgesamt wird deutlich, dass Alexander Van der Bellen in seinem Wahlprogramm mehr Bezug zu den eigentlichen Agenden eines Präsidenten zeigt, wohingegen Norbert Hofer größtenteils die parteipolitischen Inhalte der FPÖ vertritt.

D. FAZIT
Es bleibt zu hoffen, dass dem Wähler am Sonntag bei der Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten klar ist, dass nicht über regierungspolitische Agenden, sondern über die „Erste Person“ in Österreich entschieden wird. Hier tritt die offensichtliche Schwierigkeit ein, klar zu trennen und zu entscheiden, wer Österreich in den kommenden Jahren würdig im In- und Ausland vertreten kann und wem die Welt zuhören wird. Tagespolitik hat bei der Stichwahl am Sonntag in Österreich nichts verloren.

E. ET CETERA
In der Stichwahl investierte die FPÖ etwa 1.5 Millionen Euro, wohingegen die Grünen nur etwa 513.000 Euro meldeten.

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Präsidentschaftskandidaten war eine 45-minütige, unmoderierte Sendung des ATV, welche wohl als gescheitertes Experiment in die Geschichte des österreichischen Rundfunks eingehen wird, da die Sendung über weite Strecken von Destruktivismus in der Gesprächskultur geprägt war. Hier offenbarte sich auch die NLP-gestützte Rhetorik des Norbert Hofer, wodurch ein konstruktives Gespräch so gut wie nicht möglich war.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here