Ostumfahrung revisited

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Altbürgermeister Sepp Buchner richtet uns also in den heutigen Nachrichten aus, uns besser mit dem Projekt Ostumfahrung auf Steyregger und Linzer Gebiet abzufinden.

Ich war selbst mit unserem Altbürgermeister an vorderster Front in besagter Bürgerinitiative aktiv, und habe – so wie er – maßgeblich mitgeholfen, für Steyregg besonders schädliche Autobahnvarianten zu verhindern. Allerdings habe ich mein Engagement unter etwas anderen Vorzeichen gesehen, als er das offenbar tut.

Für mich bedeutet das Ergebnis der Regionskonferenzen nicht, uns mit der Verhinderung der allerschlimmsten Varianten zufrieden zu geben. Ich habe dieses Engagement immer als zweistufige Arbeit betrachtet: Zuerst weg mit den katastrophalsten Ostumfahrungsvarianten durch Plesching oder das Reichenbachtal. Und nach diesem ersten Etappensieg dann Konzentration aller Kräfte auf die verbliebene Variante. Und genau an diesem Punkt stehen wir jetzt.

Und die derzeit geplante Trasse der Ostumfahrung weist eine große Schwäche auf: Denn sie war in erster Linie immer für den Pendler, und nie für den Transitverkehr gedacht. Genau deshalb führt sie auch mitten durch das Stadtgebiet von Linz. Jetzt aber wird der aus der Tschechei zu erwartende Transitverkehr als Begründung herangezogen, die Ostumfahrung so schnell als möglich zu bauen. Das ist nicht stimmig.

Während man früher von einem Transitanteil aus der Tschechei von rund 6.000 KfZ pro Tag ausging, sind es nun offenbar mehrere zehntausende KfZ pro Tag reiner Transitverkehr. Und genau dafür wurde diese Trasse nicht geplant. Und es wäre verrückt, diesen Transitverkehr mitten in den bewohnten Linzer Ballungsraum hineinzulenken.

Aus diesem Grund halte ich es auch für falsch, sich nun gemütlich zurückzulehnen, und mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Zugegeben: Die Chance ist nicht riesig groß, das Projekt in dieser Form doch noch kippen zu können. Aber diese Chance besteht, gerade auch angesichts der deutlichen Planungsfehler. Und sie sollte genutzt werden.

Ich habe deshalb mit Lorenz Potocnik von den NEOS Linz eine unabhängige Initiative angestoßen, damit Steyregg und Linz zur Verhinderung eines weiteren großen Fehlers in der Linzer Verkehrspolitik gemeinsame Sache machen. Denn hier geht es nicht um Parteipolitik und Hick-Hack zur Maximierung der Wählerstimmen, sondern ist parteiübergreifende Zusammenarbeit gefragt. Denn dafür haben uns die Wählerinnen und Wähler auch ihre Stimme gegeben.

Wo ich Sepp Buchner schon Recht gebe, ist, dass Steyregg alleine an diesem Projekt nichts ändern können wird. Dafür sind wir mit unseren 5.000 Einwohnern einfach zu klein und zu unbedeutend. Eine Stadt Linz jedoch, mit ihren mehreren hunderttausend Einwohnern, spielt diesbezüglich in einer anderen Liga. Und genau dafür müssen wir unsere partei- und gemeindebegrenzten Scheuklappen ablegen, und uns auf das große Ganze konzentrieren.

Eine etwas größere politische Perspektive einnehmen, eben. Mehr dazu im kommenden Bürgerblog.