Samstag, 16. Jänner 2021, Tag 4

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  • Die Hälfte der Steyregger Haushalte hat praktisch keine Lebensmittelvorräte mehr.
  • Restliche Lagerbestände werden in der Nacht geplündert.
  • Die öffentliche Ordnung und Sicherheit ist gefährdet, die Einsatzkräfte sind erschöpft.
  • Es kommt zu einer sprunghaften Zunahme von Erkrankungen aufgrund schlechter Hygiene und Einnahme verunreinigten Wassers.
  • Die medizinische Versorgung bricht in vielen Gemeinden zusammen, die Notstromversorgung in zahlreichen Krankenhäusern ist ausgefallen.

Über Nacht wurden sämtliche Steyregger Supermärkte geplündert. Eine bewaffnete Gruppe hat in der Nacht für 2 Stunden die Steyregger ENI Tankstelle “übernommen”, und Treibstoff in größerer Menge entwendet. Durch die unsachgemäße Aktion lief viel Benzin aus, die Feuerwehr hatte alle Hände zu tun, dass es zu keinem größeren Brand kommt. Die Steyregger Bürgerwehr geht davon aus, dass es sich um bewaffnete Gruppen aus Linz gehandelt habe, ein Eingreifen sei ihr nicht möglich gewesen. Am Morgen wurde das Militär zur Verstärkung angefordert, das nun auf der B3 bei der Brücke zum Badesee einen Checkpoint errichtet hat, und mit schwer bewaffneten Soldaten vorbeifahrende Fahrzeuge kontrolliert.

Der Blick in die meisten Vorratskammern von Steyregger Familien ist ernüchternd. 2 Wecken Brot reichen zwar noch für die kommenden Tage, bei den meisten anderen Lebensmitteln sieht es allerdings schlecht aus. Milch kann von Steyregger Bauern besorgt werden, Eier, Butter und Öl ebenso. Praktisch unmöglich ist es im Moment jedoch an Mehl, Weizen und sonstige Getreideprodukte zu kommen. Einige Steyregger Landwirte haben selbst Vieh geschlachtet, womit zumindest in den kommenden Tagen wieder etwas Fleisch zu erwarten ist. Obst und Gemüse sind im Moment nicht zu bekommen. Die Regale der Supermärkte sind vollkommen leer. Babynahrung und Windeln reichen nur mehr für heute, einige Medikamente, insbesondere für die ältere Generation, sind mittlerweile aufgebraucht, und in der Apotheke im Moment nicht mehr erhältlich. Am besten sind jene Menschen dran, die über Lebensmittelvorräte für zumindest 1 Woche verfügen, und somit nicht auf andere angewiesen sind.

Weitere 6 Steyregger Senioren sowie ein neugeborenes Kleinkind haben die Nacht nicht überlebt. Sie werden aufgrund Platzmangels vorübergehend auf der Wiese vor dem Steyregger Friedhof bestattet. Personen, vor allem ältere Menschen und Kinder, die erkrankt sind können in den Spitälern meist nicht mehr aufgenommen werden, und finden nun vorübergehend Aufnahme und Betreuung im Schulgebäude der Gemeinde, das jedoch nicht beheizt werden kann.

Beim Versuch von Gemeindebediensteten, 4 Jugendliche festzuhalten, die aus dem Gemeindelager Waren gestohlen hatten, kam es zu Handgreiflichkeiten. Ein Jugendlicher zückte das Messer, und verletzte einen Gemeindebediensteten lebensbedrohlich. Zwei weitere wurden brutal niedergeschlagen. Den Dieben gelingt die Flucht, sie entkommen unerkannt mit ihrer Beute. Vorfälle dieser Art schüchtern die Bewohner ein, sie wagen sich allein nicht mehr auf die Straße. Die öffentliche Ordnung und Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet.

(C) Matthias Lauber, laumat.at

Der Leitungsstab der Gemeinde beschließt, zusätzlich zu den bereits installierten Ordnerdiensten auch noch Streifentrupps einzusetzen, die Polizei und Militär bei Tag und Nacht an neuralgischen Punkten unterstützen, und damit der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit vermitteln sollen. Sollte es zu weiteren gewaltsamen Zwischenfällen kommen, kann auch ein “Bereitschaftstrupp” zur Verstärkung angefordert werden.

Über Nacht wird eine Ausgangssperre verfügt. Alle Personen, die sich nach 20 Uhr noch im Freien bewegen, können von der Polizei sowie den Ordnerdiensten ohne Angaben von Gründen festgenommen werden.

Die Linzer Spitäler arbeiten im Notbetrieb, die Notstromversorgung funktioniert nur mehr im ehemaligen Linzer AKH ohne größere Probleme. Die meisten Bezirkskrankenhäuser arbeiten im Dunkeln, da entweder der Treibstoff ausging, oder die Aggregate aufgrund der hohen Dauerbelastung (und fehlender Wartung) ausfielen. Der Nachschub an Medikamenten ist unterbrochen, die Vorräte reichen nur noch für kurze Zeit.

In Steyregg klagen Bewohner eines Mehrparteienhauses über Schwindel, Fieber, Kraftlosigkeit, Husten und Durchfall. Der Keller des Hauses und Teile des Erdgeschosses waren in den Vortagen mit Kanalwasser überflutet worden. Der zu Hilfe gerufene Arzt kann eine Infektion mit multiresistenten Keimen nicht ausschließen. Die Linzer Spitäler lehnen eine Einweisung ab, da sie keinen Platz für solche Fälle mehr hätten, und das Infektionsrisiko im Spital für das Personal und andere Patienten zu gross sei. Die angeforderten Bluttests werden zumindest einige Tage in Anspruch nehmen, da die meisten medizinischen Labors im Land ohne Strom ausser Dienst sind. Die Bewohner des Mehrparteienhauses werden deshalb unter Quarantäne gestellt. Die Angst vor Seuchen wächst.