Veranstaltungszentrum Steyregg: Konzeptloses Wähler-Appeasement für einen Berg neuer Schulden

0
410
Der noch im Rohbau befindliche große Veranstaltungssaal des Schlosses Steyregg © Steyregger Zeitung 2017
Der noch im Rohbau befindliche große Veranstaltungssaal des Schlosses Steyregg © Steyregger Zeitung 2017

Im Steyregger Stadtrat gehen derweil die Planungen für ein neues Veranstaltungszentrum Steyregg munter weiter. Der Stadtsaal ist renovierungsbedürftig, die Landesausstellung, und damit die erhoffte Förderung und Instandsetzung des Schlosses sind Geschichte, weshalb im Stadtrat nun der Abriss des Stadtsaals, und der Neubau eines Veranstaltungszentrums diskutiert werden.

Klar ist, Steyregg benötigt einen Platz für das soziale und kulturelle Zusammentreffen der Bevölkerung, sowie Platz für die Steyregger Vereine. Ebenso klar ist  jedoch auch, dass ein weiteres Veranstaltungszentrum in Steyregg, neben den bereits bestehenden Zentren in St. Georgen an der Gusen (Aktiv Park), Engerwitzdorf (Kultur im Dorf) und dem Angebot der Stadt Linz kein leichtes Leben hätte. Der Neubau eines sinnvollen Veranstaltungszentrums kostet der Gemeinde mindestens 3 bis 4 Millionen Euro. Bei einem Jahresbudget der Gemeinde von rund 8 Millionen Euro würde das in einem massiven Schuldenberg für die kommenden 10 bis 15 Jahre enden, womit andere Projekte für die kommenden Jahrzehnte de-facto blockiert werden.

Ein wirtschaftlicher Betrieb eines Veranstaltungszentrums, das sich finanziell selbst trägt, ist nur dann denkbar, wenn dieses Zentrum im Vergleich zur Konkurrenz, also dem Angebot aus den Nachbargemeinden, einen signifikanten Mehrwert bietet. Ein klassisches, weiteres Veranstaltungszentrum in der Stadt Steyregg, neben den bereits bestehenden Veranstaltungszentren in der Nachbarschaft, ist jedoch nie und nimmer in der Lage, einen solchen Mehrwert zu bieten. Im Endeffekt bleibt die Gemeinde damit auf den gesamten Kosten dieses neuen Zentrums sitzen. Der einzige Mehrwert besteht dann (für die Gemeindepolitiker) im Appeasement (dem, nennen wir es „Kauf von Wählerstimmen“) der Steyregger Vereine.

All das wird auf Kosten des Ausbaus der Infrastruktur der Stadt Steyregg (Straßen, Gehwege, Radwege und Leitplanken, Wasser und Abwasser), des Neubaus eines Quartiers für die Feuerwehr Steyregg, der Errichtung eines Rettungsstützpunktes für Steyregg, der Implementierung eines Stadtbusses, und vielen möglichen weiteren Projekten für Steyregg gehen. Wir können uns nicht alles leisten, sondern müssen auch für Steyregg Prioritäten setzen. Wenn – ohne return on investment – 3 bis 4 Millionen in ein neues Veranstaltungszentrum versenkt werden, bleibt kein Geld mehr für weitere größere Projekte in Steyregg.

Der noch im Rohbau befindliche prächtige Zugang zum großen Veranstaltungssaal des Schlosses Steyregg © Steyregger Zeitung 2017
Der noch im Rohbau befindliche prächtige Zugang zum großen Veranstaltungssaal des Schlosses Steyregg © Steyregger Zeitung 2017

Es gibt nur eine denkbare Lösung zur Errichtung eines neuen, attraktiven und vor allem wirtschaftlich kompetitiven Veranstaltungszentrums, ohne dass die Gemeinde hierfür finanziell in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ausblutet. Aber dafür müssten in Steyregg alte Gräben übersprungen werden, sowohl politische, als auch menschliche. Die einzig wirklich interessante und attraktive „location“ für ein Steyregger Veranstaltungszentrum, das seine Konkurrenten aus Engerwitzdorf und St. Georgen übertreffen könnte, wäre im Schloss Steyregg. Dort existiert ja bereits – Vorgeschichte beiseite – ein fertiges Veranstaltungszentrum im Rohbau. Gemeinde und Schlossherr müssten sich im Rahmen eines private-public-partnerships (PPP) an einen Tisch setzen, und eine gemeinsame Unternehmung ins Leben rufen, an der sowohl Schlossherr als auch Gemeinde zur Hälfte beteiligt sind. Diese gemeinsame Schloss GmbH müsste dann, unter der Obhut eines fähigen Managers/in, die Fertigstellung des Rohbaus im Schloss finanzieren, und dieses neue Veranstaltungszentrum wirtschaftlich betreiben.

Die Investitionskosten für die Gemeinde würden sich vermutlich auf nicht mehr als 2 Millionen Euro belaufen, die jedoch mit einem sinnvollen, wirtschaftlichen und konkurrenzfähigen Konzept für den Betrieb eines solchen Zentrums (Konzerte, Theater, Veranstaltungen, usw…) wieder hereingewirtschaftet werden könnten, und am Ende des Tages sogar Gewinn für die Gemeinde abwerfen werden. Ganz im Gegensatz zu einer klassischen und ideenlosen weiteren Veranstaltungshalle in Steyregg, die uns nichts anderes als einen großen Schuldenberg hinterlassen wird. Michael Radhuber

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here