Warum scheiterte die Krabbelstubenförderung?

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Leider war ich bei der letzten Gemeinderatssitzung aus beruflichen Gründen selbst verhindert. Jedoch hatten wir uns bereits im Vorfeld – fraktionsübergreifend – um eine Abfederung der vom Land beschlossenen Elternbeiträge für die Kindergarten Nachmittagsbetreuung bemüht. Zum Teil mit Erfolg, denn die Elternbeiträge für die Kindergarten Nachmittagsbetreuung werden nun von der Gemeinde Steyregg abgefedert. Damit sollen vor allem Alleinerzieher/innen bzw. Steyregger Familien mit geringem Einkommen aufgefangen werden, die durch die vom Land verordneten Beiträge überproportional stark betroffen sind. Das ist ein gutes Zeichen für den sozialen Zusammenhalt in Steyregg.

Frühförderung am wichtigsten

Warum war es aus unserer Sicht jedoch wichtig, nicht nur die Kindergartenkinder, sondern vor allem auch die Steyregger Krabbelstubenkinder zu fördern? Wir wissen heute, dass die Frühförderung von Kindern im Alter von 0-5 Jahren die wichtigste Förderung ist, die Kindern zuteil werden kann. Wir könnten uns eigentlich die ganze Gesamtschuldebatte sparen, wenn wir bedenken, dass Förderungen ab dem Alter von 10 Jahren für den späteren Lebenslauf nur mehr ein Zehntel so effektiv sind, wie die Frühförderung im Alter von 0-5 Jahren.

Und wir wissen eigentlich auch schon lange, dass Kinder in Bezug auf die Frühförderung im Prinzip bei ihren Eltern am besten aufgehoben sind. Jedoch mit einer Ausnahme, die Kinder von einkommensschwachen Haushalten oder Alleinerzieher/innen betrifft: Denn solche Kinder profitieren in pädagogischer Hinsicht oftmals wesentlich mehr vom Krabbelstubenbesuch, als von der Förderung alleine durch die eigenen Eltern bzw. den eigenen Elternteil.

Krabbelstube für viele sehr teuer

Die Beiträge für die Krabbelstube sind in Oberösterreich jedoch nicht unerheblich, und bewegen sich oftmals zwischen 200 und 300 Euro monatlich für das erste Kind. Damit werden gerade jene Steyregger Kinder aus finanzschwachen Haushalten von der Krabbelstube ferngehalten, die in pädagogischer Hinsicht am meisten davon profitieren würden. Und wir schaffen uns damit als Gemeinde in einigen Fällen selbst erzieherische Probleme, die unsere Schulen in Folge ausbaden müssen.

Am Ende stimmte die Mehrheit der Steyregger Fraktionen gegen die Krabbelstubenförderung. Als Argumente gegen diese Förderung wurde einerseits der hohe Finanzaufwand für die Gemeinde genannt. Jedoch hätten die Kosten für die Krabbelstubenförderung selbst nach Berechnungen der Gemeinde, insgesamt gemäß dem aktuellen Stand nur zwischen 200 und 300 Euro monatlich für die Gemeinde ausgemacht. Also ein Klecks im Vergleich zu den 9.000.000 Euro Jahresbudget der Gemeinde. Überdies wären diese Förderungen durch die neu erhöhten Elternbeiträge zu Gunsten der Gemeinde mehr als kompensiert worden (siehe Anhang).

Andere meinten, dass zur Unterstützung der Eltern ja das Kinderbetreuungsgeld geschaffen wurde. Nur welche Alleinerzieherin kann es sich leisten, von 333 bzw. 500 Euro monatlich Kinderbetreuungsgeld ihre Familie durchzubringen, ohne daneben arbeiten gehen zu müssen?

Familieneinkommen auch in Steyregg oft bei oder unter 1.500 Euro monatlich

Vielleicht geht es uns allen zu gut, und wir vergessen dann sehr gerne, dass es in Steyregg sehr wohl einige Haushalte mit einem Gesamteinkomemn von um bzw. unter 1.500 Euro monatlich, mit 2 bis 3 Kindern zuhause gibt. Bei diesem Einkommen sind fast alle staatlichen Unterstützungsleistungen schon einberechnet worden. Genau diesen Steyregger Familien wäre die Krabbelstubenförderung eine große Hilfe gewesen. Genau diese Kinder würden enorm vom Krabbelstubenbesuch profitieren.

Auch wenn wir in Österreich ein relativ gut funktionierendes Sozialsystem haben. Für viele Kinder ist der Besuch der Krabbelstube eine wesentlich bedeutsamere Förderungsmaßnahme, als irgendwelche Geldtransfers an die Eltern. Für mich bedeutet soziale Gerechtigkeit vor allem eines: Alle Kinder in Österreich sollten beim Start in ihr Leben gleiche Chancen auf ein gutes und erfülltes Leben haben. Deswegen wäre es wichtig gewesen, die beschlossenen Förderungen auch auf die Steyregger Krabbelstube auszuweiten. Die Kosten dafür sind fast lächerlich gering. Leider gab es dafür jedoch bei der Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder Steyreggs keine Einsicht.

Anhang: Antrag von SPÖ, IST und BPS auf Beschluss eines Förderungsmodells für Kidnergarten und Krabbelstube, mit Begründung und Berechnung der Kosten aus Förderungsmaßnahmen für die Gemeinde Steyregg