Wie sich Steyregg an den Klimawandel anpassen kann

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Feuer in Holzwinden

Heiße Sommer sind nicht mehr die Ausnahme, sondern bereits die Regel. In Zukunft ist mit noch heißeren Sommern zu rechnen, und auch vermehrten Dürreperioden, die nicht nur unsere Land- und Forstwirtschaften in große, wasserbedingte Stresssituationen bringen werden. Die weiteren Prognosen der Klimaforscher sind nicht gerade aufbauend: Mehr Stürme sowie mehr Starkregenereignisse werden für eine deutliche Zunahme der Sturm- und Hochwasserschäden sorgen. Und es mag paradox erscheinen: Aber durch die zunehmende Schwächung des polaren Vortex ist in den kommenden 2 Jahrzehnten vermutlich auch mit einer Zunahme von winterlichen, sibirischen Kälteperioden zu rechnen, während die Arktis zunehmend auftaut und eisfrei wird.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was tun? Was wir unternehmen müssen, um den Klimawandel einzubremsen, ist hinlänglich bekannt; allein an der Umsetzung hapert es seit Jahren und Jahrzehnten. Wenig gesprochen wird in unseren Breiten bislang jedoch über Anpassungsstrategien und Risikomanagement des Klimawandels. Gerade die Gemeinden sind hier gefordert, entsprechende Strategien auszuarbeiten, denn sie sind in ihrer Tätigkeit am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen, und besitzen zahlreiche Instrumente, diese Folgen entsprechend abmildern zu können.

Hitzebelastung der Gemeinden im Vergleich; Quelle: Umweltbundesamt
Hitzebelastung der Gemeinden im Vergleich; Quelle: Umweltbundesamt

Die bisherigen Daten zeigen eines klar auf: Steyregg ist von den Folgen des Klimawandes überdurchschnittlich stark betroffen. Die Bevölkerung leidet unter im österreichischen Vergleich hoher Hitzebelastung und mehr Hitzetagen, unter großer Hochwassergefahr, der Wald in unserer Gemeinde steht unter großem Trockenstress, der Siedlungsdruck und die Trockenheitsgefährdung sind groß. Im Folgenden einige ausgewählte Beispiele für erfolgreiche Anpassungsstrategien an den Klimawandel.

Hitzewellen, Dürre und Wasserknappheit

Die Gemeinde Steyregg ist der wichtigste Wasserlieferant im Gemeindegebiet. Selbst große Wassergenossenschaften, wie jene in Pulgarn, beziehen einen großen Teil ihres Wassers von der Gemeinde. Hitzewellen, und mehr und längere Dürreperioden, werden die Wasserreserven der Gemeinde in Zukunft zunehmend erschöpfen. Und sie werden auch zum Versiegen zahlreicher Hausbrunnen in den Dörfern ausserhalb des Ortes Steyregg führen, die dann ebenfalls mit Gemeindewasser versorgt werden müssen. Das führt zu einer doppelten Belastung der gemeindeeigenen Wasserreserven im Fall einer längeren Dürre. Die Gemeinde ist deshalb gefordert, bereits jetzt und vorausschauend ausreichende Wasserreserven für zukünftige Extremereignisse einzuplanen, und auch den Ausbau des gemeindeeigenen Wassernetzes in das Steyregger Hinterland Schritt für Schritt voranzutreiben. Denn nur durch die Erschließung des gesamten Gemeindegebietes mittels öffentlicher Wasserleitungen kann das Risiko einer allgemeinen Wasserknappheit bei Ausfall einzelner Brunnen weitgehend gemindert werden. Je größer das mit öffentlichen Wasserleitungen erschlossene Gebiet, desto mehr Brunnen und Speicher verfügbar sind, desto geringer auch das Risiko allgemeiner Versorgungsengpässe in Zukunft.

Wasserflächen sind ein zentraler BEstandteil der Permakultur
Wasserflächen sind ein zentraler Bestandteil der Permakultur

Waldbrände

44% des Steyregger Gemeindegebietes bestehen aus Waldgebieten. Das ist einerseits sowohl für die Klimabilanz als auch die Tourismusangebote Steyreggs, wie zum Beispiel die soeben neu eröffnete Mountainbikeroute am Pfenningberg, sehr erfreulich, birgt aber im Hinblick auf Waldbrände auch besondere Gefahren. Gerade die intensive (touristische) Nutzung der Steyregger Wälder trägt zu einer Zunahme der Waldbrandgefahr, zum Beispiel durch weggeworfene Flaschen oder heiße Auspuffrohre von Fahrzeugen, bei.

Um die Waldbrandgefahr in Steyregg unter Kontrolle zu halten ist daher einerseits eine schlagkräftige und entsprechend ausgerüstete Feuerwehr von besonderer Bedeutung. Andererseits kann Waldbränden auch mit waldbaulichen Maßnahmen gut vorgebeugt werden, bzw. die Ausbreitung und effektive Bekämpfung dieser Brände wesentlich erleichtert werden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Die Erhöhung des Laubholzanteils;
  • Die Anlage von Waldbrandriegeln, Schutz- sowie Wundstreifen;
  • Die Anlage von Löschwasserentnahmestellen im Waldgebiet, die auch sehr effektiv zur Stabilisierung des Waldklimas beitragen können;
  • Die Waldbrandüberwachung, die heute bereits sehr gut mit Hilfe von automatischen Infrarotsensoren funktioniert;

Lokale Klimastabilisierung

Besonders in Ortszentren und Städten bilden sich bei Hitzewellen sogenannte Hitzeinseln, in deren Umgebung es bis zu einige Grad Celsius wärmer als in anderen Gebieten oder am Land ist. Um diese für die Bewohner der Ortszentren, insbesondere in Steyregg, schädlichen Wirkungen der Verbauung auszugleichen, muss für ausreichende Beschattung und Luftzirkulation im dicht verbauten Gebiet gesorgt werden. Einerseits kann dies durch auflockernde Bebauung erreicht werden, andererseits durch Schaffung von mehr Grünflächen und Alleen, sowie Wasserflächen im Ortszentrum.

Am Land gewinnt die Schaffung von neuen Wasserflächen wie kleinen Teichen oder Seen an Bedeutung für die Stabilisierung des lokalen Klimas sowie des Wasserhaushalts, auch bei extremen Wetterereignissen. Permakultur ist nur ein erfolgreiches Beispiel für die wichtige Rolle des Wassers bei der Stabilisierung des lokalen Klimas – nicht zuletzt auch zum Schutz der Vegetation vor Vertrocknung. Auch die gezielte Beschattung von Feldrändern, sowie Bäume, Büsche und Heckenreihen zum Schutz vor Wind, Sturm, und der damit zusammenhängenden Bodenerosion, gewinnen immer mehr an Bedeutung in der Landschaftsgestaltung von Kulturflächen am Land.

Handlungsfelder Klimawandel, aus Handbuch Klimawandelanpassung, Umweltbundesamt
Handlungsfelder Klimawandel, aus Handbuch Klimawandelanpassung, Umweltbundesamt

Darüber hinaus gibt es, wie aus der Grafik ersichtlich, noch zahlreiche weitere Handlungsfelder, um den Folgen des Klimawandels erfolgreich begegnen zu können. Falsch wäre es nur, jetzt nichts zu tun.

Literaturempfehlung:

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