Wieviel BIO steckt in Steyregg?

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Leitartikel von Michael Radhuber

Seit vielen Jahren wird diskutiert, ob BIO Lebensmittel gesünder als konventionelle Lebensmittel sind oder nun doch nicht. Auch in der Wissenschaft, wo in den letzten Jahren viel von zwei Studien die Rede ist, die so etwas wie eine Richtungsentscheidung in der Diskussion bewirken können bzw. bereits bewirkt haben.

Im Jahr 2012 haben Wissenschafter der Stanford Universität 240 einschlägige Studien analysiert. Ihr Ergebnis: Es gibt zwar keine starken, aber doch ernsthafte Hinweise darauf, daß BIO Lebensmittel gesünder sind als konventionelle Produkte. Im Jahr 2014 schließlich erschien im British Journal of Nutrition eine weitere Metastudie von Wissenschaftern der Newcastle University, in deren Rahmen 343 wissenschaftliche Studien zu Nährstoffgehalt, Schwermetall- und Pestizidbelastung von Nutzpflanzen unter die Lupe genommen wurden (siehe auch: Artikel aus „Die Zeit“). Und diese Studie kam zu einem klaren Ergebnis: Lebensmittel aus ökologischem Anbau haben geringere Nitrit- und Nitratgehalte. Sie sind weniger mit Schwermetallen und Pestiziden belastet. Und sie haben einen signifikant höheren Gehalt an gesundheitlich förderlichen Antioxidantien. Kurz: Sie unterscheiden sich deutlich von konventionellen Lebensmitteln.

Im wissenschaftlichen Umfeld beginnt sich auf Grundlage dieser und anderer Erkenntnisse nun langsam die Überzeugung durchzusetzen, daß biologische Lebensmittel tatsächlich gesünder sind als Produkte aus konventionellem Anbau. Darüber hinaus bringt die BIO Landwirtschaft noch andere Vorteile mit sich: Der geringere Pestizid-Einsatz schont Tier- und Pflanzenwelt als auch die Grundwasser-Reserven. Viel war in letzter Zeit auch vom Bienensterben durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Rede. Durch den geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der biologischen Landwirtschaft werden auch die Bienenvölker nachhaltig geschützt.

Bio hilft auch unseren Bauern

Einen weiteren Vorteil der BIO Landwirtschaft hat das österreichische Landwirtschaftsministerium in seinem „grünen Bericht“ aus dem Jahr 2015 herausgefiltert: Seit vielen Jahren kämpfen unsere Bauern mit rückgängigen Einnahmen – und viele haben aufgrund der angespannten Marktsituation bereits das Handtuch geworfen. Das Ministerium hat deshalb die Einkommenssituation von BIO-Betrieben mit jener von Betrieben der konventionellen Landwirtschaft verglichen. Dabei wurden jeweils Betriebe mit ähnlicher Struktur, Lage und Größe untereinander verglichen, um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Berücksichtigt wurden bei den Einkommen auch Förderungen, bei den Ausgaben alle Aufwandsarten zur Aufrechterhaltung der Produktion.

Ergebisse Landwirtschaft 2014 BIO vs. konventionell
Ergebisse der Landwirtschaft 2014: BIO vs. konventionell. Quelle: Grüner Bericht 2015 (BMLFUW), S. 90 (http://gruenerbericht.at/cm4/jdownload/download/2-gr-bericht-terreich/1523-gb2015-pdf)

Ergebnis: Mit Ausnahme der Weinbaubetriebe verdienen BIO Bauern nach Abzug aller Ausgaben deutlich besser als konventionelle Landwirte. Die Ergebnisse von BIO-Marktfruchtbetrieben lagen um 42% über jenen von konventionellen Landwirtschaften, die Ergebnisse der BIO Milchbauern um ca. 11% über konventionellen Betrieben. Speziell bei den Marktfruchtbetrieben ist die Differenz im letzten Jahr vor Berichtserstellung noch einmal massiv gewachsen – während das Einkommen von konventionellen Landwirten deutlich zurückgegangen ist, haben sich die Einkünfte von BIO Landwirten im vergleich zum Vorjahr stark verbessert.

Verantwortlich für diese Unterschiede in der Einkommenssituation sind vor allem die höheren Erträge, die von BIO Bauern erzielt werden, aber auch der geringere finanzielle Produktionsaufwand der BIO-Bauern. Deutlich zeigt sich das beim Milchpreis: Während die Bauern für konventionelle Milch nur mehr rund 27 Cent pro Liter erhalten, sind es für BIO-Heumlich mit 50 Cent fast doppelt soviel (März 2016, Kurier). Für BIO Bauern hat sich der in letzter Zeit oft diskutierte Milchpreisverfall weit nicht so dramatisch ausgewirkt, wie für konventionelle Milchbauern.

Wie BIO ist Steyregg?

Interaktive Karte: Anteil von landwirtschafltichen Haupt- oder Nebenbetrieben mit biologischer Produktion in Oberösterreich, 2014

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Wir haben uns deshalb angesehen, wo Steyregg im Vergleich mit anderen oberösterreichischen Gemeinden in Bezug auf die BIO Produktion steht. Dafür haben wir uns vom Landwirtschaftsministerium die aktuellsten Daten aus dem Jahr 2014 besorgt und analysiert.

Im Ranking der oberösterreichischen Gemeinden mit dem größten Anteil an Biobetrieben liegt Steyregg auf Platz 245 von 442 Plätzen.

Von allen Steyregger Haupt- oder Nebenbetrieben mit landwirtschaftlicher Produktion sind 10,5 Prozent – also rund einer von zehn Betrieben – als biologische Landwirtschaften registriert und zertifiziert. Eine ähnliche Zahl ergibt sich, wenn man sich die landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen der Steyregger Betriebe ansieht – auch hier werden nur rund 12% der Flächen biologisch bewirtschaftet. Damit liegt Steyregg deutlich unter dem Durchschnittswert für Oberösterreich, der rund 14% Anteil von biologischen Landwirtschaften ausweist. Der Durchschnittswert für gesamt-Österreich liegt mit rund 17,5% biologischen Betrieben und 20% biologisch bewirtschafteten Flächen jedoch noch einmal deutlich über den oberösterreichischen Werten.

Anteil Biobetriebe AT
Anteil der Biobetriebe in Österreich auf Bezirksebene. Quelle: Grüner Bericht (BMLFUW), 2014, S. 55

Im Interesse sowohl der Konsumenten als auch der Steyregger Landwirte gäbe es hier noch großes Potenzial für eine Hebung der Quote der BIO Betriebe. Obwohl die Umstellung von konventioneller auf biologische Landwirtschaft für einige Jahre meist mit kurzfristigen Produktionseinbussen einhergeht, ergeben sich mittelfristig aus einer Umstellung sowohl wesentliche Kostenvorteile als auch eine verbesserte Einkommenssituation der landwirtschaftlichen Betriebe.

Und natürlich profitieren auch Konsumenten, Natur und Tierwelt in Steyregg von einem allgemeinen Ausbau der BIO Landwirtschaft.

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