Wir wollen und brauchen keinen Tourismus in Steyregg?

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Kommentar. In anderen Gemeinden Österreichs hat man das Potenzial touristischer Entwicklung wohl erkannt. Viele Menschen leben dort von den Einnahmen aus dem Tourismus, viele Jobs würden ohne Tourismus gar nicht existieren. Restaurants und Geschäfte müssten ohne auswärtige Gäste sofort zusperren. In Steyregg kriecht der Tourismus gerade seinem Ende entgegen. Ankünfte und Nächtigungen in Steyregg sind seit 2013 massiv eingebrochen, von mehr als 14.000 Gästen im Jahr 2013 kamen 2016 nur noch 2.400 Gäste nach Steyregg.

Nach den jüngsten Aktionen und Äußerungen im Steyregger Gemeinderat entsteht bei mir langsam der Eindruck, dass manche Gemeinderatsmitglieder bewusst jegliche Tourismusförderung torpedieren. Offensichtlich gelten Gäste bei vielen als unerwünscht, als Personen, die nur Probleme und Schmutz verursachen, und „Einheimische“ bei ihren Aktivitäten stören. Oder, um es in den Worten unserer ersten Vizebürgermeisterin Claudia Kraupatz (SBU) zu sagen: Wir sollten uns nicht um die Touristen kümmern, sondern um die Steyregger.

Aber – liebe Frau Vizebürgermeistern – genau darum geht es. Darum, unseren Steyreggern neue Einnahmequellen aus dem Tourismus zu eröffnen. Darum, unseren Gaststätten und unseren Geschäften neue Kunden anzuwerben. Darum, unseren Steyreggern neue Jobs entstehen zu lassen. Kein anderes wirtschaftliches Segment trägt so viel zur lokalen Wertschöpfung bei, wie der Tourismus.

Die durchschnittliche österreichische Gemeinde investierte bereits im Jahr 2006 mehr als 20 Euro pro Kopf in die Tourismusförderung. Steyregg investierte noch im Jahr 2015 nur „ganze“ 3,61 Euro pro Kopf in die Förderung des Fremdenverkehrs. Das ist beinahe lächerlich. Da hilft es auch nichts, Statistiken anzuzweifeln, und Zahlen umzudrehen. Oder wie Gemeinderat Leitner auf Schneekanonen in anderen Gemeinden zu verweisen, die für die hohen Ausgaben der Gemeinden in die Tourismusförderung verantwortlich seien.

Falsch. Schneekanonen werden nie von der Gemeinde selbst, sondern von den Betreibergesellschaften der Skigebiete angekauft. Und zählen deshalb nicht zum Gemeindebudget. Nach den interessanten Zahlenspielen der SBU in ihrem letzten Postwurf betreffend die Pro-Kopf Verschuldung Steyreggs, wo man genau denselben Trick anwandte und ausgelagerte Schulden einfach nicht berücksichtigt wurden, müssten die Kollegen der SBU es eigentlich besser wissen.

Nicht böse sein, liebe Kollegen, wenn wir nach den jüngsten Vorkommnissen in Bezug auf einen gültigen Gemeinderatsbeschluss und Euren Äußerungen in der letzten Sitzung jetzt auch etwas irritiert sind.

Uns ging es nicht darum, Euch eins‘ auszuwischen, oder andere Ideen zu blockieren. Wir wollten etwas für Steyregg umsetzen, um wieder neuen Schwung in unsere Heimatgemeinde zu bringen, und damit unserer Bevölkerung zu helfen. Und nein, natürlich ist auch unsere Idee nicht perfekt. Aber habt Ihr etwa bessere Ideen? Oder geht es nur darum, die Idee einer anderen Fraktion auszubremsen, weil sie eben nicht von Euch selbst kam? Am besten in der „ruhigen Hinterstube“ eines nicht öffentlichen Ausschusses?

Oder ist die Antwort tatsächlich die, dass wir in Steyregg keinen Tourismus wollen und brauchen? Dann habe nämlich ich etwas grundsätzlich missverstanden, und bin in dem Gremium vermutlich auch fehl am Platz.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr nach den ewigen Seitenhieben gegen unsere „einseitige und tendenziöse“ Falschinformation in der Steyregger Zeitung vielleicht auch einmal die Möglichkeit nutzen würdet, auf dieser Plattform einen konstruktiven und öffentlichen Diskurs zu dem Thema zu führen. Dafür haben wir sie nämlich eigentlich geschaffen. Und wer weiß – vielleicht entstehen dann am Ende sogar noch bessere Ideen für Steyregg, als wir sie hatten?